DJ und Produzent Rui Ho über Cao Fei im Kunstmuseum Basel

Die aus China stammende, zwischen Berlin und China lebende Musikproduzentin und DJ Rui Ho war zu Gast im Kunstmuseum Basel – nicht nur, um selbst aufzulegen, sondern auch, um sich die aktuelle Ausstellung anzusehen. Im Zentrum ihres Interesses: “RMB City“, eines der bekanntesten und am längsten laufenden Projekte der chinesischen Künstlerin Cao Fei.

Eine eigene Version von Stadt und Urbanisierung

Rui Ho macht von Anfang an klar, wie sie das Werk versteht: Es gehe nicht um eine realistische Abbildung Chinas, sondern um Cao Feis ganz persönliche Version davon, wie man sich im Kontext einer globalen Urbanisierung eine eigene Stadt erschafft. Diese Idee berührt sie unmittelbar – sie erinnere sie an die eigene Kindheit und an die Fantasie, selbst irgendwo Bürgermeisterin zu sein und eine Stadt von Grund auf mitzugestalten.

Für Rui Ho hängt das eng mit einer bestimmten Phase der chinesischen Geschichte zusammen: der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die Urbanisierung in den vergangenen 30 Jahren vollzogen hat – besonders in Guangzhou. Diese Stadt beschreibt sie als einen der größten Textilmärkte der Welt, geprägt von unzähligen kleinen und großen Fabriken, die durch extrem schnelle Lieferketten miteinander verbunden sind.

Eine virtuelle Identität auf einer Gaming-Plattform

Besonders spannend findet Rui Ho, dass Cao Fei im Rahmen des Projekts eine virtuelle Identität für sich selbst erschaffen hat – China Tracy – und dies auf einer Gaming-Plattform, eingebettet in eine futuristische Ästhetik. Diese Herangehensweise verortet sie in einer bestimmten Zeit: Als sie selbst begann, als Musikerin zu arbeiten, fiel das mit dem Aufstieg der sozialen Medien zusammen – ein Element, das auch in Cao Feis Werk stark präsent sei.

Identität, Transsein und die Rolle der Kunst

Als trans Person beschäftigt sich Rui Ho eigenen Worten zufolge fortwährend mit Fragen der Identität – in der Kunst wie im Leben. In China sei das während ihres Aufwachsens kein großes Thema gewesen; in Deutschland dagegen werde intensiv darüber gesprochen. Als Chinesin fühle sie sich zusätzlich in einer Art doppelten Minderheitenposition, was sie dazu zwinge, sich in vielen Kontexten aktiv mit der eigenen Position auseinanderzusetzen.

Kunst, die aus einer wahrhaftigen, persönlichen Perspektive entstehe, berühre sie besonders. Gleichzeitig interessiert sie sich dafür, wie sich musikalische Ideen visuell umsetzen und in sozialen Medien vermitteln lassen – auch das begreift sie als integralen Bestandteil künstlerischer Arbeit.

Tradition trifft Gegenwart

Eine weitere Parallele sieht Rui Ho zwischen der eigenen Praxis und jener von Cao Fei: beide bringen traditionelle Elemente in einen zeitgenössischen Kontext. Rui Ho selbst verwendet häufig traditionelle chinesische Lieder – etwa aus Fernsehsendungen – oder klassische musikalische Elemente und setzt sie in neue Zusammenhänge. Diese Klänge hätten sie ihr ganzes Leben begleitet, weshalb es für sie naheliege, sie in die eigene künstlerische Gegenwart zu übertragen. Genau das erkennt sie auch bei Cao Fei: die Fähigkeit, sehr persönliche Erfahrungen in ein künstlerisches Werk zu überführen – eine Verbindung, die aus der jeweiligen Herkunft und Prägung heraus fast zwangsläufig entstehe.

Utopie und Bedrohung zugleich

Zum Abschluss blickt Rui Ho auf das rasante Entwicklungstempo Chinas insgesamt. Es wirke wie eine Utopie und zugleich futuristisch – teils beängstigend, teils vielversprechend. Genau diese Ambivalenz sei es, die sie in Cao Feis Arbeit immer wieder tief berühre.

Mehr unter: kunstmuseumbasel.ch/

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