Was braucht es, damit die Dinge funktionieren? Die Ausstellung „Es läuft. Vom Instandhalten der Dinge“ im Forum Schlossplatz Aarau widmet sich einer meist unsichtbaren Kulturtechnik: dem Warten, Pflegen und Reparieren. Künstlerische Arbeiten treffen dabei auf Kulturanthropologie und lokale Traditionen.
Solange alles funktioniert, fällt es kaum auf. Die Nähmaschine verrichtet ihren Dienst, das Fahrrad fährt, die Wärmepumpe arbeitet und das Bachbett erfüllt seine Funktion. Erst wenn etwas ausfällt, wird sichtbar, wie viel Arbeit notwendig ist, um Dinge und Infrastrukturen dauerhaft am Laufen zu halten.
Genau diesem häufig übersehenen Aufwand widmet sich die Ausstellung „Es läuft. Vom Instandhalten der Dinge“ im Forum Schlossplatz Aarau. Sie richtet den Blick nicht auf das Neue, sondern auf das Erhalten des Vorhandenen. Im Zentrum stehen jene Handgriffe, Routinen und Wissensbestände, die notwendig sind, um Gegenstände, technische Systeme und öffentliche Infrastrukturen zu pflegen und zu bewahren.
Reparieren als Form der Fürsorge
Instandhaltung ist mehr als eine technische Notwendigkeit. Wer etwas wartet, repariert oder pflegt, entscheidet sich dafür, dessen Funktion und Wert zu erhalten. Die Ausstellung versteht diese Tätigkeiten deshalb auch als Formen der Fürsorge.
Dabei geht es ebenso um Wissen: Wie erkennt man Verschleiß? Wann muss eingegriffen werden? Welche Fähigkeiten sind notwendig, um einen Gegenstand zu reparieren? Und was geschieht, wenn dieses praktische Wissen nicht mehr weitergegeben wird?
„Es läuft“ macht damit Tätigkeiten sichtbar, die im Alltag häufig selbstverständlich erscheinen. Wartung und Reparatur treten aus dem Hintergrund und werden selbst zum Gegenstand kultureller und künstlerischer Betrachtung.
Wenn aus Routine ein Ritual wird
Dass Instandhaltung auch gesellschaftliche Bedeutung entwickeln kann, zeigt die Ausstellung am Beispiel des Aarauer Bachfischets. Die traditionsreiche Reinigung des Stadtbachs verdeutlicht, wie aus einer notwendigen Wartungsarbeit ein gemeinschaftliches Ritual entstehen kann.
Was ursprünglich dazu dient, eine Infrastruktur funktionsfähig zu halten, wird dabei zugleich zum Träger lokaler Erinnerung und Identität. Die Grenze zwischen alltäglicher Arbeit und kultureller Tradition beginnt zu verschwimmen.
Darin liegt eine zentrale These der Ausstellung: Wo etwas erhalten und gepflegt wird, werden auch Werte sichtbar. Die Entscheidung, was repariert, bewahrt oder weitergegeben werden soll, erzählt immer etwas darüber, was einer Gesellschaft wichtig ist.
Zwischen Kunst und Kulturanthropologie
Die Ausstellung nähert sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Arbeiten von Johanna Bossart, Isabelle Krieg, Serafin Krieger, Michael Meier & Christoph Franz, Andrea Nottaris und Mahtola Wittmer untersuchen verschiedene Formen des Erhaltens, Reparierens und Weitergebens.
Ergänzt werden die künstlerischen Positionen durch einen Beitrag von Studierenden der Kulturanthropologie. Die Szenografie stammt von SITO. Kuratiert wird „Es läuft“ von Lena Friedli.
Aus dieser Verbindung von Kunst, Alltagsbeobachtung und kulturwissenschaftlicher Forschung entsteht eine Ausstellung, die Instandhaltung nicht nur als praktische Tätigkeit versteht. Sie fragt auch danach, welche Beziehungen Menschen zu den Dingen entwickeln, die sie umgeben.
Die Aufmerksamkeit auf das Bestehende richten
Damit berührt „Es läuft“ zugleich aktuelle Debatten über Ressourcen, Nachhaltigkeit und unseren Umgang mit materieller Kultur, ohne das Thema auf ökologische Fragen zu reduzieren. Denn Reparieren und Pflegen bedeutet nicht nur, die Lebensdauer von Dingen zu verlängern. Es bedeutet auch, Wissen zu erhalten und Verantwortung für das Bestehende zu übernehmen.
Das Forum Schlossplatz macht aus den unscheinbaren Routinen des Alltags so ein Ausstellungsthema. Statt Innovation und permanenten Austausch in den Mittelpunkt zu stellen, richtet „Es läuft“ die Aufmerksamkeit auf jene Arbeit, die dafür sorgt, dass Dinge überhaupt weiterlaufen.
Produktion: arttv.ch
Mehr unter: www.forumschlossplatz.ch






