Revolte in der Kaffeetasse: Der Paderborner „Kaffeelärm“ von 1781

Was heute als gemütliches Alltagsritual gilt, war im 18. Jahrhundert hochexplosiver politischer Zündstoff. Am 19. Februar 2026 beleuchtet der Detmolder Historiker Roland Linde in einem öffentlichen Vortrag ein kurioses, aber aufschlussreiches Kapitel westfälischer Geschichte: den Paderborner „Kaffeelärm“.

Politik durch Verbote – ein Thema, das heute wie damals die Gemüter erhitzt. Doch im Jahr 1781 ging es nicht um Tempolimits oder Klimaschutz, sondern um den Genuss von Kaffee. Was als landesherrliche Disziplinierungsmaßnahme gedacht war, endete in Paderborn in offenem bürgerlichem Aufbegehren.

Kaffee als Gefahr für die Staatsordnung

Warum war die Obrigkeit so erpicht darauf, der einfachen Bevölkerung das Kaffeetrinken zu untersagen? Roland Linde zeigt die Hintergründe auf:

  • Ökonomischer Protektionismus: Das Geld für die teuren Importbohnen floss ins Ausland ab – ein Dorn im Auge merkantilistischer Fürsten.
  • Soziale Disziplinierung: Die „Kaffeestunde“ galt als Zeitverschwendung und Förderer von Müßiggang und Klatsch. Zudem fürchtete man die aufklärerischen Gespräche, die in den Kaffeestuben geführt wurden.
  • Das Katz-und-Maus-Spiel: Polizeidiener schnüffelten an Haustüren, um Kaffeeröster zu überführen, während die Bürger immer kreativere Wege fanden, ihren „verbotenen Genuss“ zu tarnen.

Aufstand im Hochstift

In Paderborn eskalierte die Situation im Jahr 1781. Der sogenannte „Kaffeelärm“ ging als lokaler Bürgeraufstand in die Annalen ein. Doch was geschah wirklich in jenen Tagen?

  • Legende vs. Quelle: Linde hinterfragt die überlieferten Erzählungen kritisch. War es ein organisierter Protest oder ein spontaner Gewaltausbruch gegen die Staatsmacht?
  • Vorabend der Revolution: Der Vortrag ordnet das Ereignis in die Zeit der großen Umbrüche ein. Nur wenige Jahre vor der Französischen Revolution zeigte sich im Widerstand gegen das Kaffeeverbot bereits das schwindende Vertrauen in die absolutistische Fürstenherrschaft.

Über den Referenten

Roland Linde ist ein profilierter Kenner der westfälisch-lippischen Regionalgeschichte. Als freiberuflicher Historiker und Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen hat er zahlreiche Studien zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen veröffentlicht. Sein Blick auf den „Kaffeelärm“ verspricht eine spannende Verbindung von Mikrogeschichte und großer Politik.

Mehr unter: www.lwl-landesmuseum-herne.de

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