In einer Ära, in der Deep Fakes und KI-generierte Bilder unseren Feed überfluten, stellt sich eine radikale Frage: War die Photographie jemals wirklich objektiv? Ab dem 25. Februar 2026 widmet sich die Kunsthalle Bremen unter dem Titel „Fiktion und Wahrheit“ diesem faszinierenden Grenzgang und erweitert ihre Sammlungspräsentation „Remix“ um vier hochkarätig besetzte Räume.
Mit über 80 Arbeiten – viele davon zum ersten Mal in der Kunsthalle zu sehen – spannt die Ausstellung einen Bogen von den historischen Anfängen der Dokumentation bis hin zu zeitgenössischen Konstruktionen der Wirklichkeit.
Das Ende der Unschuld
Die Photographie galt lange als das ultimative Beweismittel. Ob in der Wissenschaft oder bei der Aufklärung von Verbrechen – das Lichtbild war die Wahrheit. Die Ausstellung bricht mit dieser traditionellen Vorstellung:
- Die Chronisten: Werke von August Sander und Bernd und Hilla Becher zeigen den Versuch einer objektiven Bestandsaufnahme der Welt. Doch selbst in dieser strengen Typisierung steckt bereits die Auswahl und Gestaltung des Künstlers.
- Die Konstrukteure: Künstler wie Thomas Ruff oder Sebastian Riemer gehen einen Schritt weiter. Sie dekonstruieren das Bild und führen uns vor Augen, dass jede Photographie ein Konstrukt ist. Hier verwischen die Grenzen zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir glauben zu wissen.
- Das Unveröffentlichte: Taryn Simon und Richard Mosse nutzen das Medium, um verborgene Narrative sichtbar zu machen – oft dort, wo die offizielle Geschichtsschreibung endet.
Photographie in Zeiten von KI
Die Ausstellung greift die aktuelle Debatte um die Glaubwürdigkeit von Bildern im Internet auf. Wenn Künstliche Intelligenz täuschend echte Realitäten erschaffen kann, welche Aufgabe bleibt dann der klassischen Photographie? Die Schau zeigt auf, dass das „Fenster zur Welt“ schon immer einen Rahmen hatte, der von Menschen gesetzt wurde. „Fiktion und Wahrheit“ schärft unseren Blick für die digitale Bilderflut und lehrt uns, das Gesehene kritisch zu hinterfragen.
Hochkarätige Sammlungs-Neuzugänge
Die Präsentation speist sich aus einem beeindruckenden Fundus: Neuzugänge der Kunsthalle treffen auf bedeutende Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen und Leihgaben der Sammlung Lothar Schirmer. Namen wie Candida Höfer, Thomas Struth, Ricarda Roggan und Heinrich Zille garantieren ein visuelles Erlebnis auf internationalem Niveau.
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