Ein Museum ist niemals fertig. Diese Erkenntnis, einst von der Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg formuliert, ist das Leitmotiv der aktuellen Ausstellung im mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Noch bis zum 3. Mai 2026 blickt das Haus auf eine seiner prägendsten Dekaden zurück: die Ära Dieter Ronte (1979–1989).
Die Ausstellung „Nie endgültig!“ ist weit mehr als eine historische Rückschau. Sie ist eine Analyse darüber, wie aus einer bescheidenen Sammlung im Wiener „20er Haus“ eine Institution von Weltrang wurde – getrieben durch strategische Diplomatie und spektakuläre Sammlungszuwächse.
Der „Ludwig-Moment“: Ein Quantensprung für Wien
Der 26. April 1979 markiert die Geburtsstunde des modernen mumok. Durch die Kooperation mit dem Aachener Sammlerpaar Peter und Irene Ludwig kamen fast 200 kunsthistorisch maßgebliche Werke nach Wien.
- Neue Schwerpunkte: Mit Pop Art und Fotorealismus erhielt die Sammlung ein völlig neues Gesicht.
- Erweiterung: Der Zuwachs war so gewaltig, dass das Museum ins Palais Liechtenstein expandieren musste.
- Finanzielle Weitsicht: Die Gründung der Österreichischen Ludwig-Stiftung 1981 sicherte durch staatliche Mittel dauerhaft Ankäufe, die zuvor unbezahlbar gewesen wären.
Die Ära Dieter Ronte (1979–1989)
Unter der Direktion von Dieter Ronte wurde das Museum zum Akteur in gesellschaftspolitischen Belangen. Die Ausstellung zeigt, wie in diesem Jahrzehnt die Grundsteine für heutige Sammlungsschwerpunkte gelegt wurden. Es war eine Zeit der intensiven Netzwerkarbeit, in der Persönlichkeiten wie Hans Mayr und Hermann Fillitz kulturpolitische Weichenstellungen vornahmen, die bis heute nachwirken.
Ein Museum als Labor
Passend zum Titel „Nie endgültig!“ bricht das mumok auch in der Ausstellungsgestaltung mit Konventionen. Statt starrer Vitrinen erwartet die Besucher ein offenes Format:
- Interaktive Möbel & Dialogräume: Die Architektur lädt zum kollektiven Forschen und Lernen ein.
- Museumspraxis als Beziehungsarbeit: Kunst wird hier nicht nur „gezeigt“, sondern gemeinsam mit dem Publikum hinterfragt und reflektiert.
- Dynamik statt Stillstand: Das Museum inszeniert sich als Plattform, die sich stetig neu erfindet.
Teil einer großen Aufarbeitung
Die aktuelle Schau ist der dritte Teil einer Reihe, die die eigene Geschichte des Hauses kritisch beleuchtet. Nach den Präsentationen zu den Gründungsjahren unter Werner Hofmann und der Ära Alfred Schmeller schließt sich nun der Kreis um die prägenden 1980er-Jahre.
Mehr unter: mumok.at





