Nach 88 Jahren vereint: Tora-Schmucks aus der Werkstatt von Leo Horovitz wieder in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt

Tora-Aufsätze und Tora-Schild

Es ist ein Moment von tiefer historischer und emotionaler Tragweite: Erstmals seit den Novemberpogromen von 1938 wird ein vierteiliges Set aus kostbarem Tora-Schmuck in Frankfurt wieder als Einheit gezeigt. Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein Tora-Schild (Tas) und zwei Tora-Aufsätze (Rimonim) an die Jüdische Gemeinde Frankfurt – ein Akt der Gerechtigkeit und ein Meilenstein der Provenienzforschung.

V.li..: Dr. Eva Atlan, Stellvertretende Direktorin und Oberkustodin Jüdisches Museum Frankfurt, Marc Grünbaum, Vorstandsvorsitzender und Kulturdezernent Jüdische Gemeinde Frankfurt & Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt

Ab dem 24. März 2026 ist das wiedervereinte Set in der Dauerausstellung des Museums zu sehen. Es erzählt nicht nur von ritueller Pracht, sondern auch von Zerstörung, Raub und der mühsamen Suche nach der eigenen Geschichte.

„Es ist ein historischer Moment, dass wir erstmals das Tora-Schild, seinen Anhänger sowie die Tora-Aufsätze aus der Börneplatz-Synagoge hier in Frankfurt wieder zusammenführen können, denn sie wurden 88 Jahre lang an verschiedenen Orten aufbewahrt. Ich freue mich sehr, dass wir das komplette Set nun in unserer Dauerausstellung als Leihgabe der Jüdischen Gemeinde Frankfurt präsentieren können“ — Dr. Eva Atlan, Oberkustodin am Jüdischen Museum Frankfurt

Die Odyssee der Frankfurter Judaica

Börneplatz-Synagoge

Die Geschichte des Sets ist eng mit der Börneplatz-Synagoge verknüpft, die als Zentrum der orthodoxen jüdischen Renaissance in Frankfurt galt. Das Pogrom von 1938 setzte dieser Ära ein brutales Ende: Die Synagoge wurde niedergebrannt, das Inventar geplündert und auf den Kunstmarkt gestreut.

  • Die Suche: Während ein kleiner Anhänger im Besitz der Gemeinde blieb, gelangten die übrigen Teile auf Umwegen in Auktionen und Privatbesitz.
  • Das Puzzlestück: Nachdem das Museum die Tora-Aufsätze bereits in den 1990er-Jahren erworben hatte, konnte das Tora-Schild erst 2025 durch den kommunalen Ankaufsetat der Stadt Frankfurt aus Privatbesitz gesichert werden.
  • Die Restitution: Mit der Rückgabe an die Jüdische Gemeinde erkennt die Stadt Frankfurt das begangene Unrecht an und sichert die Objekte gleichzeitig als Leihgabe für die Öffentlichkeit.

Ein Meisterwerk aus dem Hause Horovitz

Das Set ist ein herausragendes Zeugnis der „Frankfurter Schule“ jüdischer Sakralkunst. Es wurde um 1904 von dem renommierten Silberschmied Leo Horovitz geschaffen – im Auftrag seines Vaters, des charismatischen Rabbiners Markus Horovitz.

Bedeutung für die Stadtgesellschaft

Die Restitution wird von den Verantwortlichen als wichtiges Signal gewertet:

Kulturdezernentin Ina Hartwig betont den „verantwortungsvollen Umgang der Stadt“ mit der Geschichte jüdischen Lebens:

“Dass die historisch zusammengehörenden Ritualobjekte heute wieder gemeinsam gezeigt werden können, ist ein wichtiges Zeichen der Erinnerung und zugleich Ausdruck der engen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Frankfurt, dem Jüdischen Museum und der Jüdischen Gemeinde.“

Marc Grünbaum (Vorstand Jüdische Gemeinde) hebt hervor, dass die Kultusgegenstände dorthin zurückkehren, „wohin sie gehören“: in den Schoß der Gemeinde, die das Unrecht der Schoa überdauert hat:

“Historisch zusammengehörende Kultusgegenstände sind nach 88 Jahren wieder vereint. Sie kehren zurück zu unserer Gemeinde, zu der sie gehören. Dass die Stadt Frankfurt das Tora-Schild aus eigenen Mitteln erworben hat, um es an unsere Gemeinde zu restituieren, unterstreicht ihre besondere historische Verantwortung für das unserer Gemeinde angetane Unrecht.“

Mehr unter: www.juedischesmuseum.de

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