N+1: Wenn Fotografie über das Einzelbild hinauswächst

In der Kunststiftung DZ BANK in Frankfurt am Main wird die Fotografie neu berechnet. Die Ausstellung „N+1. Mehr als ein Bild“ bricht mit der Vorstellung des solitären Bildes und erkundet die Kraft von Konstellationen, Synergien und dem unbenennbaren „Dazwischen“.

Was passiert, wenn wir nicht nur auf ein Bild schauen, sondern auf viele? Diese Frage steht im Zentrum eines ambitionierten Kooperationsprojekts zwischen der Kunststiftung DZ BANK und 20 Studierenden der Folkwang Universität der Künste in Essen. Unter der Leitung von Christina Leber und Stefan Gronert entstand eine Schau, die das Ausstellungsmachen von der ersten Idee bis zum Vermittlungsprogramm als gemeinschaftlichen Prozess begreift.

Die Formel der Erweiterung

Der Titel „N+1“ nutzt die mathematische Variable n als Platzhalter für eine beliebige Anzahl an Bildern, die durch ein „+1“ – sei es ein Text, ein Gedicht oder die Begegnung mit dem Betrachter – eine neue Bedeutungsebene erhalten. Es geht nicht um simple Addition, sondern um das Kippen und Verschieben von Bedeutungen durch Nachbarschaften und Synergien.

Spannende Dialoge und künstlerische Entdeckungen

Die Kuratoren haben gezielt Werke gegenübergestellt, die in einen fruchtbaren Dialog treten:

  • Sven Johne und Loredana Nemes: Beide setzen sich mit dem Ort Rügen auseinander, jedoch mit völlig unterschiedlichen Ansätzen. Während Johne autobiographische und deutsch-deutsche Geschichte verwebt, strahlen beide Arbeiten eine trügerische Stille aus, die bei genauerem Hinsehen tiefere gesellschaftliche Ebenen offenbart.
  • David Hockney und Adrian Sauer: Hier entstehen architektonische Synergien. Sauers Ziegelarbeit scheint sich förmlich zu den Innenräumen in Hockneys Werk aufzuschichten.
  • Dieter Eisfeld und Katharina Dobrovska: Das Thema des Fluiden und Vergänglichen verbindet Eisfelds Fotografien von Schneebällen mit Dobrovskas Installationen – ein Spiel mit dem Schmelzen und Dahinfließen.

Das Negativ als unerschöpflicher Quell

Ein weiterer faszinierender Aspekt der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit der Materialität der Fotografie. So wird betont, dass in einem einzigen Negativ unendlich viele Abzüge stecken können – jeder neu, jeder anders, abhängig von Zeit, Chemie und Licht. Es ist kein formales Spiel, sondern die „Materialisierung eines Gedankens“, die Macht und Veränderung in der Welt reflektiert.

Vielfalt im Katalog

Begleitend zur Ausstellung bietet der Katalog weit mehr als klassische Bildanalysen. Von kunsthistorischen Texten bis hin zu Gedichten nähern sich die Autoren den Werken auf unterschiedlichste Weise an und spiegeln so die Vielschichtigkeit des Projekts wider.

Mehr unter: kunststiftungdzbank.de

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