Das Marta Herford widmet sich mit einer großen Schau dem frühen Werk von Stararchitekt Frank Gehry und seiner Verbindung zur Kunstszene der amerikanischen Westküste. Über 150 Werke der Nachkriegsavantgarde treffen auf Entwürfe des Architekten – in dem von ihm selbst entworfenen Museumsgebäude.
Die Geburtsstunde der Cool School
Ende der 1950er Jahre eröffnete in Los Angeles die legendäre Ferus Gallery. Um die Galeristen Walter Hopps und Ed Kienholz scharte sich ein loser Kreis junger Künstler*innen, die von der rebellischen Beat-Generation inspiriert wurden. Daraus entstand ein Netzwerk künstlerischer Experimentierfreude, das der Kritiker Philip Leider später als „Cool School” bezeichnete. Zu den Protagonisten zählten namhafte Positionen wie Larry Bell, Wallace Berman, Craig Kauffman, Edward Kienholz und Ed Ruscha. Ihre Arbeiten zeichneten sich durch künstlerische Unabhängigkeit, großes Selbstbewusstsein und eine spezifisch kalifornische Coolness aus.
Frank Gehry im Schmelztiegel der Avantgarde
Frank Gehry, dessen Museumsgebäude in Herford selbst zu den jüngsten von ihm entworfenen Bauskulpturen in Deutschland zählt, wurde Teil dieser pulsierenden Szene. Der Austausch mit den Künstler*innen prägte seine architektonische Sprache nachhaltig. Während der Abstrakte Expressionismus an der Ostküste kommerzielle Spielregeln diktierte, bot Los Angeles im Schatten Hollywoods, geprägt von Freeways, Werbeindustrie und spezifischem Pazifiklicht, Freiraum für künstlerische Prozesse. Gehry fühlte sich intellektuell verbunden mit den Minimalisten – Robert Rauschenberg, Donald Judd und Carl Andre – und entwickelte parallel dazu seine frühen, berühmten Pappkarton-Möbel.
Licht, Raum und Oberfläche: Der L.A. Look
Aus dieser Atmosphäre heraus experimentierten die Künstler*innen mit industriellen Materialien und technischen Verfahren. Nicht mehr das Objekt allein stand im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung von Raum, Licht und Wahrnehmung. So entstanden die Strömungen Light and Space und Finish Fetish, die später unter dem Begriff L.A. Look zusammengefasst wurden. Die Ausstellung zeigt auf, wie diese Experimentierfreude Gehrys Architekturdenken beeinflusste – von der Auseinandersetzung mit Oberflächen bis hin zur Wahrnehmung des Betrachters.
Assemblage als Prinzip: Vom Wohnhaus zum Museum
Die Schau präsentiert rund 150 Werke aus europäischen Museen, Nachlässen und Galerien sowie frühe Entwurfszeichnungen und Modelle von Frank Gehry aus dem Getty Research Institute und dem Archiv von Gehry Partners. Insgesamt sieben Gehry-Projekte sind vertreten, darunter seine eigene Gehry Residence in Santa Monica. Das Wohnhaus fungiert als radikale Anwendung der Assemblage-Technik: Ein bestehender Bau im niederländischen Kolonialstil wurde mit Holz-, Metall- und Glasstrukturen erweitert und zu einem offenen System transformiert. In direkter Verwandtschaft dazu steht das Marta Herford selbst, das einen Altbau mit organischen Formen, geschwungenen Wänden und einem bewegten Edelstahldach ummantelt.
Von den 1970ern bis heute: Die Sammlung Schürmann
Durch Leihgaben aus der Sammlung von Gaby und Wilhelm Schürmann, die seit den 1980er Jahren Kunst der US-Westküste sammeln, wird der Bogen bis in die Gegenwart gespannt. In der Lippold-Galerie zeigt das Marta ausschließlich Werke aus dieser Sammlung, darunter die raumgreifende Installation The Great See Battles of Wilhelm Schürmann (1994–95) von Jason Rhoades. Themen wie gesellschaftliche Brüche, Spannungen und widersprüchliche Bilder der US-amerikanischen Konsumkultur werden dabei von Künstler*innen wie Edgar Arceneaux, Sam Durant und Aura Rosenberg verhandelt.
„Mindset Los Angeles – Frank Gehry und die Cool School” ist vom 27. Juni 2026 bis 10. Januar 2027 im Marta Herford zu sehen.
Produktion: Marta Herford, Film: lim_creative_originals
Mehr unter: marta-herford.de





