Badisches Landesmuseum digitalisiert 550 antike Vasen in 3D

Ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt macht die Karlsruher Vasensammlung erstmals dreidimensional zugänglich – und entdeckt dabei Details, die dem bloßen Auge verborgen blieben.

Ein Museum scannt seine Schätze

Seit Juni 2024 arbeitet das Badische Landesmuseum Karlsruhe an einem ungewöhnlichen Vorhaben: Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „3D4Vases” werden rund 550 antike griechische und italische Vasen aus der eigenen Sammlung mit photogrammetrischen Methoden dreidimensional digitalisiert. Archäologin Christina Trikidou, die unmittelbar an der täglichen Digitalisierungsarbeit beteiligt ist, gibt Einblick in ein Projekt, das weit mehr ist als eine technische Fleißarbeit.

Was der Scan sieht, was das Auge übersieht

Die hochauflösenden 3D-Modelle, die im Projekt entstehen, machen Details sichtbar, die bei konventioneller Betrachtung verborgen bleiben: Materialspuren, Restaurierungsgeschichten, Nutzungsspuren aus der Antike. Die digitale Erfassung ermöglicht es, Oberflächen und Formen mit einer Präzision zu analysieren, die bisher nur unter erheblichem konservatorischem Aufwand möglich war. Für die archäologische Forschung eröffnet das neue Fragestellungen – und neue Antworten auf alte.

Archäologie, Informatik und Kulturvermittlung in einem

„3D4Vases” ist bewusst interdisziplinär angelegt. Es verbindet Archäologie, Informatik und Kulturvermittlung mit dem gemeinsamen Ziel, die Forschungsdaten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist dabei die Entwicklung standardisierter Normvokabulare für den digitalen Katalog des Museums – Beschreibungssprachen, die präzisere Objektdokumentation ermöglichen und die Interoperabilität archäologischer Daten über verschiedene Sammlungen und Forschungskontexte hinweg verbessern.

Ein offenes Forschungsdatenportal bis 2027

Bis 2027 soll das Projekt mit der Veröffentlichung eines erweiterten digitalen Katalogs abgeschlossen werden, der zu einem offenen Forschungsdatenportal weiterentwickelt wird. Es bietet dann freien Zugang zum vollständigen Bestand an 3D-Modellen, fotografischen Neuaufnahmen, Forschungsdaten und den neu entwickelten Beschreibungsvokabularen. Ein Modellprojekt für die Zukunft der Museumsdigitalisierung.

Mehr unter: www.landesmuseum.de

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