Körper ohne Grenzen: Huguette Calands radikale Sinnlichkeit in den Deichtorhallen

Körper ohne Grenzen: Huguette Calands radikale Sinnlichkeit in den Deichtorhallen

Der weibliche Akt ist das vielleicht meistzitierte Motiv der Kunstgeschichte – doch selten wurde er so humorvoll, frei und subversiv dargestellt wie von Huguette Caland (1931–2019). Die Deichtorhallen Hamburg widmen der libanesischen Ausnahmekünstlerin eine Schau, die zeigt, wie Malerei zum Akt der Selbstbestimmung wird.

In einer neuen Folge der INTRO-Reihe beleuchtet Malin Heinnecker das faszinierende Werk einer Frau, die sich zeitlebens weigerte, den männlichen Blick auf ihren Körper zu akzeptieren. Calands Bilder sind eine Feier der Fleischlichkeit, jenseits von Scham und gesellschaftlichem Diktat.

Der Körper als Landschaft

Huguette Calands Malerei spielt meisterhaft mit der Abstraktion. Oft sind ihre Linien so nah am Geschehen, dass Brüste, Hüften oder Falten zu sanften Hügelketten und Tälern verschmelzen.

  • Wärme statt Objektivierung: Wo die klassische Kunstgeschichte den Frauenkörper oft als passives Objekt darstellt, setzt Caland auf pulsierende Lebendigkeit.
  • Witz und Ironie: Ihre Arbeiten begegnen den starren Schönheitsnormen mit einem Augenzwinkern. Sie feiert das Voluminöse und das Unperfekte als Quelle von Kraft und Lust.
  • Befreiung von Erwartungen: Caland, die Tochter des ersten libanesischen Präsidenten, verließ in den 1970er-Jahren ihr bürgerliches Leben in Beirut, um in Paris und später Kalifornien ihre künstlerische Freiheit radikal auszuleben.

Ein Gespräch über den „weiblichen Blick“

In der aktuellen INTRO-Folge analysiert Malin Heinnecker, wie Caland es schafft, sexualisierte Erwartungshaltungen zu unterlaufen. Es geht um die Frage, wie sich die Darstellung nackter Frauen verändert, wenn eine Frau selbst den Pinsel hält und dabei ihre eigene Lust und Identität in den Mittelpunkt stellt.

Mehr unter: deichtorhallen.de

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