Zombiewespen gibt es wirklich – fast: Die faszinierende Jagdstrategie der Juwelwespe

Eine der spektakulärsten Jagdstrategien des Tierreichs steckt in einer winzigen, metallisch glänzenden Wespe: Die Juwelwespe lähmt Schaben mit gezielten Nervenstichen – und macht sie zu willenlosen Trägern ihrer Larven. Manuela Sann, Leiterin Abteilung Wirbellose Tiere, erklärt, wie die Juwelwespe dabei vorgeht.

Die schönste Killerin der Insektenwelt

Zombiewespen? Indirekt schon, sagt die Wissenschaft. Denn was die sogenannte Juwelwespe – wissenschaftlich Ampulex compressa – mit amerikanischen Schaben anstellt, klingt wie aus einem Horrorfilm. Die metallisch schimmernde, in tropischen Regionen beheimatete Grabwespe gehört zu den faszinierendsten und gleichzeitig erschreckendsten Jägerinnen des Insektenreichs.

Ein Angriff in zwei Akten

Sobald die Juwelwespe eine amerikanische Schabe aufgespürt hat – über chemische Signale im Boden – beginnt eine präzise choreografierte Jagd. Zunächst sticht sie die Schabe zwischen das erste und zweite Beinpaar. Dann zieht sie sich zurück und putzt sich rund eine halbe Stunde lang die Antennen. Die Schabe erholt sich währenddessen – und genau das ist beabsichtigt. Denn der zweite Stich ist der entscheidende: Die Wespe bohrt ihren Stachel direkt von unten in den Kopf der Schabe und trifft dabei mit chirurgischer Präzision ein spezifisches Nervenganglion. Das Resultat ist keine Betäubung, sondern gezielte Lähmung: Die Schabe lebt weiter, kann sich aber nicht mehr aus eigener Kraft bewegen.

Die lebende Vorratskammer

Was folgt, ist noch unheimlicher. Die Wespe beißt der reglosen Schabe die Antennen an, zieht sie wie an einer Leine in ihr Nest – gegen den natürlichen Widerstand des gelähmten Tieres, das nichts dagegen tun kann. Im Nest angekommen, legt die Wespe ein Ei an der Schabe ab, verschließt den Eingang mit Steinchen und anderen Materialien und überlässt die Schabe ihrem Schicksal. Diese lebt weiter – mit gedrosseltem Stoffwechsel, als lebende Vorratskammer. Die aus dem Ei schlüpfende Larve frisst sich zunächst durch den Panzer und schließlich durch den gesamten Hinterleib der Schabe. Erst wenn alle lebenswichtigen Organe aufgezehrt sind, stirbt die Schabe. Nach rund 30 Tagen schlüpft eine neue Juwelwespe – und der Kreislauf beginnt von vorn.

Zombie-Schabe, nicht Zombiewespe

Der Begriff „Zombiewespe” ist also streng genommen falsch – es ist die Schabe, die zum Zombie wird: am Leben, aber ohne Willen und Bewegungsfähigkeit. Ein extremes Beispiel dafür, zu welch ausgeklügelten Strategien die Evolution fähig ist.

Mehr unter: www.nmbe.ch/de

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