„IndustrieInsekten“ auf Zeche Zollern: Klangwelten in der Sonderausstellung

Eine Soundinstallation ergänzt jetzt die Ausstellung, die noch bis 1. November im LWL Museum Zeche Zollern zu sehen ist. Bastian Gies und Till Bellinghausen machen mit ihrem Sounddesign-Projekt Insekten akustisch erfahrbar. Die Klanginstallation greift die natürlichen Lebensräume der Insekten auf und macht auch Klänge hörbar, die Manschen normalerweise nicht hören können. Die beiden Klangkünstler geben Einblicke in ihre Arbeit, erklären, wie die Installation entstanden ist und mit welchen technischen Mitteln sie die Klangwelt gestaltet haben.

Ausstellung zeigt die verborgene Natur auf Industriebrachen

Zwischen stillgelegten Fördertürmen, alten Maschinen und ehemaligen Industrieanlagen hat sich eine vielfältige Tierwelt entwickelt. Die Ausstellung „IndustrieInsekten. In einem unbekannten Land“ im LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund zeigt noch bis zum 1. November 2026 eindrucksvolle Fotografien von Insekten, die auf ehemaligen Industrieflächen in Westfalen leben. Die Fotografen Ute Matzkows und Klaus Rieboldt haben vier Jahre lang die verborgene Welt dieser Tiere dokumentiert und eröffnen damit einen ungewöhnlichen Blick auf Artenvielfalt, Naturschutz und den Wandel der Industrielandschaft.

Insekten auf Industriebrachen: Eine unbekannte Welt entdecken

Ehemalige Zechen, Hüttenwerke und Fabrikgelände sind nicht nur Zeugnisse der Industriegeschichte. Viele dieser Flächen haben sich nach dem Ende ihrer ursprünglichen Nutzung zu Lebensräumen für Pflanzen und Tiere entwickelt. Wo früher Maschinen arbeiteten und industrielle Produktionsprozesse die Landschaft bestimmten, entstehen heute neue ökologische Nischen. Gerade Insekten finden auf manchen dieser Flächen geeignete Bedingungen vor.

Die Ausstellung „IndustrieInsekten. In einem unbekannten Land“ im LWL-Museum Zeche Zollern beschäftigt sich mit dieser häufig übersehenen Seite der Industriekultur. Sie macht sichtbar, dass ehemalige Industriestandorte nicht nur Orte der Erinnerung und kulturellen Nutzung sind, sondern auch eine wichtige Rolle für die biologische Vielfalt spielen können.

Vier Jahre Naturfotografie an acht LWL-Industriemuseen

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Fotografien von Ute Matzkows und Klaus Rieboldt. Über einen Zeitraum von vier Jahren erkundeten die beiden die Gelände aller acht LWL-Museen für Industriekultur in Westfalen. Dabei suchten sie gezielt nach Insekten, die sich auf den ehemaligen Industrieflächen angesiedelt haben. Mit ihren Nahaufnahmen dokumentieren sie eine Tierwelt, die Besucherinnen und Besuchern beim gewöhnlichen Rundgang häufig verborgen bleibt. Die Fotografien zeigen Insekten aus ungewöhnlicher Nähe und machen Details ihrer Körperformen, Farben und Strukturen sichtbar.

Dadurch entsteht ein Perspektivwechsel: Tiere, die im Alltag oft kaum wahrgenommen oder als störend empfunden werden, erscheinen als faszinierende Lebewesen mit vielfältigen Anpassungen und Fähigkeiten. Die Aufnahmen bilden das Herzstück des Projekts „IndustrieInsekten“ und verbinden Naturfotografie mit der Erforschung veränderter Lebensräume.

Warum Insekten für die Artenvielfalt unverzichtbar sind

Die Ausstellung greift zugleich ein drängendes ökologisches Thema auf: den Rückgang vieler Insektenpopulationen. Insekten erfüllen zahlreiche Funktionen innerhalb natürlicher Ökosysteme. Sie bestäuben Pflanzen, zersetzen organisches Material und dienen Vögeln, Amphibien und anderen Tieren als Nahrung. Damit tragen sie wesentlich zum Funktionieren von Nahrungsketten und zur Stabilität von Lebensräumen bei. Der Rückgang von Insektenbeständen betrifft deshalb nicht nur einzelne Arten, sondern kann weitreichende Auswirkungen auf ganze Ökosysteme haben.

„IndustrieInsekten“ stellt grundlegende Fragen: Welche Aufgaben übernehmen Insekten in der Natur? Welche besonderen Fähigkeiten besitzen sie? Und warum ist ihr Schutz für die biologische Vielfalt so wichtig? Die Fotografien ermöglichen einen anschaulichen Zugang zu diesen Themen und regen dazu an, die Bedeutung selbst kleinster Lebewesen neu zu betrachten.

Industrienatur im Ruhrgebiet: Wenn die Natur zurückkehrt

Die Geschichte des Ruhrgebiets ist eng mit Bergbau, Stahlproduktion und industrieller Infrastruktur verbunden. Über Jahrzehnte prägten Zechen, Hochöfen und Fabriken die Landschaft. Nach der Stilllegung vieler Anlagen begann ein tiefgreifender Wandel. Ehemalige Produktionsflächen wurden zu Museen, Veranstaltungsorten und Freizeitlandschaften umgestaltet. Gleichzeitig entwickelten sich auf zahlreichen Brachen neue Lebensräume. Zwischen Schotterflächen, alten Mauern, Gleisanlagen und spontan gewachsener Vegetation können sich spezialisierte Pflanzen und Tiere ansiedeln. Solche Standorte unterscheiden sich häufig deutlich von landwirtschaftlich genutzten Flächen oder gepflegten Parkanlagen.

Die Ausstellung zeigt, dass die Rückkehr der Natur nicht zwangsläufig bedeutet, dass eine Industrielandschaft wieder ihren ursprünglichen Zustand annimmt. Vielmehr entstehen neue Lebensgemeinschaften, die von den besonderen Bedingungen ehemaliger Industrieflächen geprägt sind.

Industriekultur und Naturschutz im LWL-Museum Zeche Zollern

Die acht LWL-Museen für Industriekultur bewahren bedeutende Zeugnisse der westfälischen Industriegeschichte und machen sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen vermitteln sie Wissen über die industrielle Vergangenheit und den gesellschaftlichen Strukturwandel. Das Projekt „IndustrieInsekten“ erweitert diese Perspektive um die Natur, die sich auf den ehemaligen Industrieflächen entwickelt hat.

Dabei werden zwei Themen miteinander verbunden, die zunächst wenig gemeinsam zu haben scheinen: die Bewahrung historischer Industrieanlagen und der Schutz biologischer Vielfalt. Gerade die Verbindung von industriellem Erbe und neuen Lebensräumen macht die Standorte zu interessanten Orten für die Auseinandersetzung mit Umweltfragen.

Insektenfotografie eröffnet einen neuen Blick auf die Natur

Die Bilder von Ute Matzkows und Klaus Rieboldt laden dazu ein, genauer hinzusehen. Durch die fotografische Annäherung auf Augenhöhe werden die Insekten nicht als anonyme Masse, sondern als einzelne Lebewesen mit besonderen Merkmalen wahrnehmbar. Die Ausstellung macht deutlich, wie viel Natur sich selbst an Orten entdecken lässt, die vor allem mit Technik, Arbeit und Industriegeschichte verbunden werden. Zugleich zeigt sie, dass biologische Vielfalt nicht ausschließlich in großen Naturschutzgebieten existiert. Auch kleinere, vom Menschen stark veränderte Flächen können wertvolle Lebensräume bieten.

Mit „IndustrieInsekten. In einem unbekannten Land“ verbindet das LWL-Museum Zeche Zollern die Faszination der Naturfotografie mit einem aktuellen Blick auf Artensterben, Biodiversität und den ökologischen Wandel ehemaliger Industrielandschaften.

Mehr unter: zeche-zollern.lwl.org

Anzeige

Newsletter