Harald Meller trifft Hermann Parzinger

Er ist einer der profiliertesten Archäologen Deutschlands: Hermann Parzinger. Im Gespräch mit seinem langjährigen Weggefährten Harald Meller blickt der heutige Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf einen außergewöhnlichen Werdegang zurück, der in einer Münchener Pionierkaserne seinen Anfang nahm.

Das Treffen findet an einem geschichtsträchtigen Ort statt: in der Villa von der Heydt, dem Dienstsitz Parzingers in Berlin. Die beiden Archäologen verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft, die bereits während des gemeinsamen Studiums begann.

Ein „Virus“ namens Vergangenheit

Parzinger stammt aus einem nicht-akademischen Elternhaus, in dem jedoch leidenschaftlich viel über Geschichte gelesen und diskutiert wurde. Trotz dieses frühen Interesses war das Berufsbild des Archäologen für ihn zunächst nicht greifbar.

  • Der „Kasernen-Trick“: Während seines Wehrdienstes in München nutzte Parzinger die Studienberatung am Freitag eigentlich nur, um dem Wochenend-Wachdienst zu entgehen.
  • Die schicksalhafte Begegnung: Im Wartesaal fiel ihm eine Broschüre über Vor- und Frühgeschichte in die Hände. Die beschriebene Interdisziplinarität – die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften – faszinierte ihn sofort.

Von München nach Ljubljana: Die Liebe zum Osten

Sein Studium führte ihn von München über Saarbrücken bis nach Slowenien.

  • Polnisch als Kaltstart: In seinem ersten Hauptseminar bei Georg Kossack musste sich Parzinger mangels Alternativen mit der Region Kujawien beschäftigen – und damit mit polnischer Fachliteratur. Ein zweisprachiges Wörterbuch wurde zu seinem wichtigsten Werkzeug und legte den Grundstein für seine Faszination für slawische Sprachen.
  • Abenteuer Slowenien: Auf Empfehlung Kossacks ging er nach Ljubljana, lernte innerhalb kürzester Zeit Slowenisch und knüpfte lebenslange Kontakte in den Balkanraum.

Pionierarbeit in Zentralasien und Eurasien

Parzingers Karriere verlief rasant: Promotion, Habilitation und bald darauf Führungspositionen beim Deutschen Archäologischen Institut (DAI).

  • Gründungsdirektor der Eurasien-Abteilung: Nach dem Mauerfall öffneten sich völlig neue Forschungsräume im Osten. Parzinger wurde 1995 Gründungsdirektor der Eurasien-Abteilung des DAI und führte spektakuläre Ausgrabungen in Russland, Kasachstan und Usbekistan durch.
  • Die Skythen und das Zinn: Zu seinen bedeutendsten Projekten gehören die Erforschung des Reiternomadismus der Skythen sowie die Entdeckung bronzezeitlicher Zinnbergwerke, die neue Erkenntnisse über die antike Rohstoffversorgung lieferten.

Das Museum als Ort der Narration

Nach Jahren der reinen Forschung wechselte Parzinger 2008 als Präsident zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. In dieser Rolle entdeckte er die Bedeutung der Vermittlung: Es geht nicht mehr nur um Quadratmeterzahlen von Grabkammern, sondern darum, den Menschen die großen Geschichten der Menschheit nahezubringen.

Für angehende Archäologen hat Parzinger einen klaren Rat: „Man muss sein Fach lieben.“ Archäologie sei kein Acht-Stunden-Tag, sondern ein innerer Antrieb, der einen rund um die Uhr beschäftigt.

Eine Thomas Claus Medienproduktion im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 2026. “Archaeofilm” ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Landes Sachsen-Anhalt (LDA).

Regie: Thomas Claus
Bildgestaltung: Philip Koepsell
Ton: Sascha Nebelung
Schnitt: Philip Koepsell
Grafik: Oliver Thomas
Lektorat: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling, Dr. Anja Lochner-Rechta
Projektkoordination: Dr. Oliver Dietrich, Dr. Tomoko Emmerling

Mehr unter: www.landesmuseum-vorgeschichte.de

Eine Frau steht im Museum. Die Tafeln im Hintergrund sind unscharf. Auf dem Bild steht: Barrierefrei kommunizieren im Museum mit Leichten Bildern. Expertenwissen kompakt. Workshop am 23. Septemner 9 - 11 Uhr
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