„Die Zeit meiner Bilder wird noch kommen.“ Dieser Satz von Hannes Schwarz klingt heute, zum 100. Geburtstag des steirischen Ausnahmekünstlers, wie eine düstere, aber hellsichtige Vorahnung. Das KULTUM Graz würdigt den Maler im Rahmen des Ausstellungszyklus „GEGENWELTEN“ und macht deutlich: Sein Werk ist im Jahr 2026 aktueller denn je.
Vom 13. Februar bis zum 26. April 2026 wird das Spiegelgitterhaus in Gleisdorf zum Schauplatz einer Begegnung mit einem Werk, das die Abgründe des 20. Jahrhunderts durchlebt hat, um eine ganz eigene, narbige Schönheit zu finden.
Eine persönliche Würdigung: Johannes Rauchenberger erinnert sich
Die Eröffnungsrede von Kurator Dr. Johannes Rauchenberger war mehr als eine kunsthistorische Einordnung; sie war ein zutiefst persönliches Zeugnis. Rauchenberger blickte zurück auf das Ende der 1990er-Jahre – eine prägende Zeit der Zusammenarbeit.
- Die Emmanuelkapelle: 1998 schufen Schwarz, Rauchenberger und der Architekt Hermann Eisenköck gemeinsam die Emmanuelkapelle in der Basilika am Weizberg. Diese Synergie zwischen sakralem Raum und Schwarz’ existenzieller Malerei bildete den emotionalen Kern der Rede.
- Der Mensch hinter dem Pinsel: Rauchenberger schilderte Schwarz als einen Künstler, der die „Inhumanität der NS-Ideologie“ am eigenen Leib erfahren hatte und diese Wunden zeit seines Lebens künstlerisch transformierte.
Zwischen Trauma und Sakralität
Das Werk von Hannes Schwarz lässt sich nicht in einfache Kategorien pressen. Die Ausstellung zeigt die faszinierende Entwicklung eines Künstlers, der nie wegsah:
- Die Aufarbeitung: Seine frühen und mittleren Phasen sind geprägt von der Auseinandersetzung mit Gewalt, Unterdrückung und dem Verlust von Menschlichkeit.
- Die späten Landschaften: Im letzten Drittel seines Schaffens wandte sich Schwarz Landschaften zu, die eine „subtile Sakralität“ ausstrahlen. Doch es ist kein idyllischer Frieden: Die Narben der Vergangenheit bleiben als Texturen und Brüche in der Leinwand sichtbar.
- Erschreckende Aktualität: In einer Zeit erneuter gesellschaftlicher Polarisierung wirken Schwarz’ Mahnungen vor der Inhumanität heute nicht mehr wie Echoes der Geschichte, sondern wie Kommentare zur Gegenwart.
Der Zyklus „GEGENWELTEN“
Die Schau in Gleisdorf ist Teil eines größeren Ganzen. Zum Doppeljubiläum – dem 100. Geburtstag (geb. 1926) und dem 10. Todestag (gest. 2014) – vereint der Zyklus „GEGENWELTEN“ Leihgaben aus bedeutenden Quellen:
- Die renommierte Sammlung Wolf.
- Bestände des Museums für Gegenwartskunst – Stift Admont.
- Werke aus dem persönlichen Nachlass des Künstlers.
Mehr unter: kultum.at





