Graciela Iturbide: Augen zum Fliegen – Eine poetische Reise durch Mexiko

Das C/O Berlin präsentiert mit „Eyes to Fly With“ eine beeindruckende Retrospektive der mexikanischen Fotografin Graciela Iturbide. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat sie ein Werk geschaffen, das Schmerz und Schönheit, Rituale und Alltag auf einzigartige Weise miteinander verwebt.

Graciela Iturbide gilt als eine der bedeutendsten Fotografinnen Lateinamerikas. Doch wie die Kuratoren bei C/O Berlin betonen, ist sie weit mehr als das: eine herausragende Künstlerin im weltweiten Pantheon der Fotografie, deren Werk von einer tiefen Empathie und Sensibilität geprägt ist.

Fotografie als Therapie

Für Iturbide ist das Sehen und Fotografieren oft eine Form der Therapie. Ihr Zugang ist zutiefst subjektiv: In den Menschen und Dingen, die sie porträtiert, erkennt sie immer auch Anteile ihrer selbst wieder. Diese persönliche Verbindung wird in der Ausstellung durch Wandtexte aus Zitaten in ihrer eigenen Stimme unterstrichen [].

Ein halbes Jahrhundert mexikanischer Seele

Das Herzstück der Ausstellung ist Iturbides Heimat Mexiko. Die Besucher erleben eine Reise durch verschiedene Stationen ihres Schaffens:

  • Juchitán: Eine Serie über eine Gesellschaft, in der Frauen eine starke, unabhängige Stimme haben. Berühmt ist das Bild der „Frau mit den Iguanas“, die Stolz und Lebensfreude verkörpert.
  • Sonora-Wüste: Hier entstand unter anderem das ikonische Bild der „Angel Woman“, einer indigenen Frau, die mit einem Kassettenrekorder über der Schulter die Wüste durchquert – eine Mischung aus Humor, Schönheit und karger Landschaft.
  • Botanische Gärten: Eine poetische Arbeit über Pflanzen aus ganz Lateinamerika, die Heilung und Verwurzelung thematisiert.
  • Subkulturen: Die Serie über die „Cholos“ und „Cholas“ in East Los Angeles zeigt junge Mexikaner, die sich in einer harten Umgebung ein Leben aufbauen.

Schmerz, Tod und Vögel

Ein zentrales Motiv in Iturbides Werk sind Vögel. Ihr Interesse daran wurzelt in einem traumatischen Erlebnis: Nach dem frühen Verlust ihrer Tochter fotografierte sie eine Familie, die ein verstorbenes Kind beerdigte. Auf dem Weg zum Friedhof begegnete sie einer verwesenden Leiche, über der Geier kreisten. In diesem Moment fühlte sie, wie der Tod sie aufforderte, ihr Leiden nicht mehr nur auszuleben, sondern zu transformieren. Sie richtete ihre Kamera in den Himmel zu einem Vogelschwarm – für sie ein Symbol der Gleichzeitigkeit von Schmerz und Schönheit.

Der Titel: „Eyes to Fly With“

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein Selbstporträt („Ojos para volar“), das in einer schwierigen Phase nach einer Trennung entstand. Es zeigt die Künstlerin, wie sie ihre Augen mit einem lebenden und einem toten Vogel bedeckt. Die Metapher des Fliegens steht für die Fähigkeit der Kamera, verschiedene Perspektiven einzunehmen und so die Welt – und sich selbst – kennenzulernen.

Mehr unter: co-berlin.org

Eine Frau steht im Museum. Die Tafeln im Hintergrund sind unscharf. Auf dem Bild steht: Barrierefrei kommunizieren im Museum mit Leichten Bildern. Expertenwissen kompakt. Workshop am 23. Septemner 9 - 11 Uhr
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