Étretat: Wie ein Fischerdorf zum Geburtsort des Impressionismus wurde

Das Städel Museum in Frankfurt widmet sich in einer spektakulären Ausstellung dem Sehnsuchtsort Étretat. Erfahren Sie, wie Claude Monet die dramatischen Kreidefelsen der Normandie für sich entdeckte und dabei die Malerei für immer veränderte.

Étretat – heute ein Mythos, im frühen 19. Jahrhundert jedoch kaum mehr als ein abgelegenes Fischerdorf an der normannischen Küste. Wie wurde dieser einsame Ort zu einem der berühmtesten Motive der Kunstgeschichte? Die Antwort liegt in der „Entdeckung“ durch Künstler und der visionären Kraft von Claude Monet.

Die Entdeckung der Wildnis

Lange bevor der Tourismus Einzug hielt, faszinierte die ungebändigte Natur von Étretat die ersten Reisenden. Der deutsche Publizist Jacob Venedey beschrieb 1837 ehrfürchtig die bis zu 100 Meter hohen Kreidefelsen als Ort, an dem die Natur ihre „Schöpferkraft“ zeige.

In der Kunstszene gilt der Marinemaler Eugène Isabey als Pionier. Er war der erste, der über Jahrzehnte immer wiederkehrte und Freunde mitbrachte. In Werken von Künstlern wie Eugène Lepoittevin lässt sich der Wandel des Dorfes beobachten: Während im Hintergrund die gewaltigen Naturphänomene thronen, rückt im Vordergrund zunehmend das soziale Leben und der beginnende Badetourismus aus Paris in den Fokus. Étretat wandelte sich vom Fischerdorf zum mondänen Badeort mit Casino und Golfplätzen.

Monet: Von braver Malerei zum künstlerischen Durchbruch

Claude Monet, der in der Normandie aufgewachsen war, verband mit der Küste ein tiefes Heimatgefühl. Doch sein Weg zum „Meister des Lichts“ war ein Prozess:

  • Frühe Gehversuche: Ein Gemälde von 1864 zeigt eine noch sehr „brave“ Darstellung der Felsen, die kaum den späteren Signature-Style des Impressionismus erahnen lässt.
  • Die Inspiration durch Courbet: In den 1880er Jahren kehrte Monet zurück, inspiriert von den physischen, fast „gemauerten“ Wellenbildern Gustave Courbets. Monet suchte diese Befreiung der Farbe, wollte aber etwas völlig Neues schaffen.

Der „Funke“ des Impressionismus

In Étretat entwickelte Monet ein Prinzip, das für den Impressionismus zentral werden sollte: das serielle Arbeiten. Er malte die gleichen Klippen zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterbedingungen.

Dieser Fokus auf den flüchtigen Moment und die Veränderung des Lichts ist der eigentliche „Funke“ des Impressionismus, der in den Klippen von Étretat entfacht wurde.

Ein Ort als Kunstwerk

Heute besuchen jährlich etwa 1,5 Millionen Touristen Étretat – getrieben von einer fast süchtigen Faszination für die Felsen, die maßgeblich durch die künstlerischen Visionen der Maler geprägt wurde. Die Ausstellung im Städel Museum macht diesen Wechselpunkt zwischen Natur, Kunst und Tourismus unmittelbar erlebbar.

Mehr unter: staedelmuseum.de

Eine Frau steht im Museum. Die Tafeln im Hintergrund sind unscharf. Auf dem Bild steht: Barrierefrei kommunizieren im Museum mit Leichten Bildern. Expertenwissen kompakt. Workshop am 23. Septemner 9 - 11 Uhr
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