ergessen Sie die klassische Chronologie der Kunstgeschichte. Das mumok Wien bricht mit der Vorstellung einer geradlinigen Zeit und präsentiert eine Ausstellung, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer kreisförmigen Logik miteinander verwebt. Unter dem Titel „Die Welt von morgen wird eine weitere Gegenwart gewesen sein“ begegnen sich Klassische Moderne und zeitgenössische Radikalität auf Augenhöhe.
Was wäre, wenn Kunstgeschichte kein Zeitstrahl, sondern ein Netzwerk aus Rück- und Vorgriffen wäre? Die Ausstellung geht davon aus, dass Künstler*innen seit jeher Meister des nichtlinearen Denkens sind – getragen von Zweifel an konventionellen Wahrheitsregimen und einem tiefen Bewusstsein für ihre eigene Geschichtlichkeit.
Fünf Künstler*innen – Fünf Dialoge
Das Besondere an diesem Projekt ist die Struktur: Es handelt sich quasi um „fünf Ausstellungen in einer“. Fünf zeitgenössische Positionen wurden eingeladen, tief in die Bestände der Klassischen Moderne des mumok einzutauchen und einen direkten Dialog mit den historischen Werken zu führen.
Die beteiligten Künstler*innen sind:
- Nikita Kadan: Setzt sich oft mit den politischen Brüchen und dem Erbe der Moderne auseinander.
- Barbara Kapusta: Bekannt für ihre Auseinandersetzung mit Körperlichkeit und Technologie.
- Frida Orupabo: Dekonstruiert in ihren Collagen koloniale und geschlechtsspezifische Narrative.
- Lisl Ponger: Untersucht die Mechanismen des Sammelns und der Repräsentation.
- Anita Witek: Fragmentiert visuelle Welten, um neue Räume und Wahrheiten zu schaffen.
Zirkuläre Zeit statt linearer Abfolge
Die Installationen bestehen aus eigenen Werken der Künstler*innen, die bereits in der mumok-Sammlung vertreten sind, sowie neuen Arbeiten, die eigens für diesen Anlass konzipiert wurden. Diese treffen auf historische Varianten ihrer selbst. Das Ergebnis ist ein Entwurf für eine zirkulär gedachte Zeitlichkeit:
- Das Potenzial der Vergangenheit: Historische Werke werden nicht als „abgeschlossen“, sondern als noch nicht voll entwickeltes Potenzial begriffen.
- Die unvollendete Zukunft: Fragen von heute richten sich an ein „gewesenes Jetzt“, um Wege in eine Zukunft aufzuzeigen, die längst begonnen hat.
Ein radikaler Blick auf die Gegenwart
„Ist das etwa die Gegenwart?“, fragt die Ausstellung provokant. Durch die Gestaltung von Studio Kehrer und das Kuratorium von Franz Thalmair wird das Museum zur Plattform für vernetztes Denken. Die Besucher wandern durch raumgreifende Installationen, in denen die Grenze zwischen damals und heute verschwimmt und die Kunstgeschichte als eine unabgeschlossene Folge von Ereignissen ohne Anfang und Ende erfahrbar wird.
Mehr unter: mumok.at





