In den dunklen Schubladen des Museums für Naturkunde Berlin schlummert ein gewaltiges Potenzial. 30 Millionen Objekte warten darauf, ihre Geschichten zu erzählen. Doch ohne Daten bleibt selbst eine „Monsterwespe“ – ein spektakuläres Insekt mit riesigen Kiefern – für die Wissenschaft unsichtbar. Eine digitale Revolution im Herzen Berlins macht diesen Wissensschatz nun für die Welt nutzbar.
Die Entdeckung der Art $Megalara$ $garuda$ (auch bekannt als „Monsterwespe“) im Jahr 2011 ist ein Paradebeispiel für die Bedeutung von Sammlungsdaten. Ein Exemplar lag bereits seit 1930 im Museum, doch erst die systematische Erfassung und der Vergleich von Fundortetiketten und historischen Daten machten die Erstbeschreibung möglich.
Daten sind die DNA der Sammlung
Ein Insekt ohne Etikett ist für die moderne Forschung fast wertlos. Der wahre wissenschaftliche Wert eines Objekts steckt in den Metadaten:
- Der räumliche Kontext: Wo genau wurde das Tier gefunden?
- Der zeitliche Kontext: Wann wurde es gesammelt (wichtig für die Klimaforschung)?
- Die Biografie: Wer hat es entdeckt und in welchem Expeditionstagebuch wurde es vermerkt?
Von den 30 Millionen Objekten in Berlin sind rund die Hälfte Insekten. Die Herausforderung besteht darin, die oft händisch beschriebenen, historischen Etiketten zu digitalisieren und mit hochauflösenden Fotos sowie wissenschaftlichen Publikationen zu verknüpfen.
WiNoDa: Ein Datenzentrum für die Natur
Um dieses Wissen global nutzbar zu machen, geht das Museum für Naturkunde im Rahmen seiner „Museums-Evolution“ einen entscheidenden Schritt weiter. Gemeinsam mit Partnern entsteht das WiNoDa Knowledge Lab.
- Wissens-Hub: WiNoDa fungiert als Datenkompetenzzentrum für naturwissenschaftliche Sammlungen.
- Interdisziplinarität: Ziel ist es, Forschenden weltweit Werkzeuge an die Hand zu geben, um Sammlungsdaten über Fachgrenzen hinweg auszuwerten.
- Open Access: Sobald Daten digital zugänglich sind, können sie von jedem Menschen mit Internetzugang für neue Erkenntnisse genutzt werden – ein demokratischer Zugang zum Erbe der Natur.
Warum das wichtig ist
In Zeiten des globalen Artensterbens ist die Digitalisierung der Sammlungen ein Wettlauf gegen die Zeit. Nur wenn wir wissen, wo Arten früher vorkamen, können wir heute Schutzmaßnahmen ergreifen oder Veränderungen in Ökosystemen verstehen. Die „Monsterwespe“ war erst der Anfang – in den Berliner Schränken warten vermutlich noch tausende unentdeckte Arten auf ihren digitalen Moment.
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