„Das Kaninchen bin ich“: Ein Rückblick auf Zensur und Filmverbote im DDR Museum

Ein Abend im Zeichen der Zensur: Zum 60. Jahrestag des folgenschweren 11. Plenums des ZK der SED blickten Experten im DDR Museum Berlin auf eines der dunkelsten Kapitel der ostdeutschen Kulturgeschichte zurück. Im Zentrum der Buchvorstellung stand die staatliche Unterdrückung von Filmen, die als „Kaninchenfilme“ in die Geschichte eingingen.

Der Konferenzraum des DDR Museums bot den passenden Rahmen für eine Veranstaltung, die weit mehr war als eine bloße Buchvorstellung. Es war eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie weit ein Staat geht, um kritische Kunst zum Schweigen zu bringen.


Das 11. Plenum: Der Kahlschlag von 1965

Das Jahr 1965 markiert einen Wendepunkt in der DDR-Kulturpolitik. Auf dem sogenannten 11. Plenum des Zentralkomitees der SED wurde eine ganze Jahresproduktion der DEFA-Spielfilme verboten.

  • Der Namensgeber: Der Film „Das Kaninchen bin ich“ von Kurt Maetzig wurde zum Symbol für diesen Kahlschlag. Er thematisierte Justizwillkür und die Unterdrückung des Individuums – Themen, die der Parteiführung zu brisant waren.
  • Folgen für Künstler: Regisseure und Autoren sahen sich mit Berufsverboten und massiver Überwachung konfrontiert, was die kulturelle Landschaft der DDR für Jahre lähmte.

Experten im Dialog

Unter der Leitung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Liza Soutschek diskutierten zwei Experten über die Mechanismen der Macht:

  1. Dr. Stefan Wolle (Historiker): Er ordnete das 11. Plenum in den größeren historischen Kontext ein und beleuchtete die Angst des Staates vor der „Subversivität“ der Leinwandhelden.
  2. Arnt Cobbers (Leiter Jaron Verlag): Er stellte die Publikation vor, die sich detailliert mit den Hintergründen der Zensur befasst und dokumentiert, wie Filme buchstäblich im Tresor verschwanden.

Warum das Thema heute noch wichtig ist

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass die Erinnerungskultur nicht nur das Bewahren von Fakten ist, sondern das Verständnis für die Freiheit der Kunst. Die „Kaninchenfilme“ konnten oft erst nach dem Mauerfall 1989/90 ihre Premiere feiern – ein spätes Zeugnis für die Unbeugsamkeit kreativen Geistes.

Zum Film: Das Kaninchen bin ich – Spielfilm (ganzer Film auf Deutsch) – DEFA

Mehr unter: ddr-museum.de

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