Das Jüdische bei Anna Seghers. Podiumsdiskussion im Jüdischen Museum Berlin

Wer war Anna Seghers, bevor sie zur Ikone der sozialistischen Weltliteratur wurde? Anlässlich ihres 125. Geburtstags öffnet das Jüdische Museum Berlin (JMB) ein bisher fast unbekanntes Fenster in die private und religiöse Welt der jungen Netty Reiling. Im Zentrum steht ein handgefertigtes Geschenk, das eine Brücke zwischen Liebe, Tradition und Kunst schlägt.

Die Aufzeichnung der Podiumsdiskussion vom 8. Dezember 2025 beleuchtet das „Jüdische“ im Leben der Autorin von Das siebte Kreuz – ein Thema, das in ihrer späteren öffentlichen Wahrnehmung oft hinter ihrem politischen Engagement zurücktrat.

Die Schenkung des Herzens: Das Purim-Leporello

Die Enkelkinder der Schriftstellerin, Anne und Jean Radvanyi, haben dem JMB ein Objekt von unschätzbarem biografischem Wert übergeben: ein von Seghers 1924 selbst gestaltetes Leporello zur Purimgeschichte.

  • Ein persönliches Zeugnis: Sie schenkte es ihrem damaligen Verlobten Laszlo Radvanyi. Es zeigt eine verspielte, tief in der Tradition verwurzelte Seite der jungen Frau.
  • Künstlerische Ambition: Das Werk verbindet religiöse Ikonografie mit der individuellen Handschrift einer jungen Intellektuellen, die gerade erst begann, ihre literarische Stimme zu finden.

Von Mainz in die Welt der Gelehrsamkeit

Die Diskussion geht weit über das Leporello hinaus und untersucht die tiefen Wurzeln von Seghers’ Identität:

  • Herkunft: Geboren in eine orthodoxe Familie in Mainz, war das Judentum für Netty Reiling keine bloße Randnotiz, sondern prägender Alltag.
  • Wissenschaftliche Anfänge: Ihre Dissertation befasste sich mit „Juden und Judentum im Werk von Rembrandt“ – eine Arbeit, die bereits ihre Fähigkeit bewies, komplexe religiöse und soziale Fragen durch die Linse der Kunst zu betrachten.
  • Frühwerk: In Briefen an Laszlo und frühen Erzählungen schimmert eine Auseinandersetzung mit jüdischen Themen durch, die später in ihrem Fokus auf den antifaschistischen Kampf eine neue Form fand.

Mehr unter: www.jmberlin.de

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