Das Bild des Monats im Overbeck Museum: Hermine Overbeck-Rohte “Die Muschel”.

In der Serie „Bild des Monats“ rückt Volontärin Malea Frickmann im Overbeck-Museum in Bremen-Vegesack ein besonderes Werk von Hermine Overbeck-Rohte in das Rampenlicht. „Die Muschel“ ist weit mehr als eine einfache Naturstudie – es ist ein Zeugnis von künstlerischer Resilienz und tiefer Symbolik.

Das kleine Stillleben fesselt den Betrachter sofort durch seine Lichtführung: Vor einem tiefdunklen Hintergrund – teils blaugrün, teils dunkelbraun – erstrahlt das Objekt in hellem Glanz. Hermine Overbeck-Rohte setzte die schillernde Innenseite des Objekts meisterhaft in Szene und lenkte so die gesamte Aufmerksamkeit auf dieses naturgegebene Kleinod.

Kunst aus der Horizontalen

Die Entstehungsgeschichte des Bildes (ca. 1905) ist eng mit der Biografie der Künstlerin verknüpft. Ab 1904 litt Hermine an Tuberkulose, was sie körperlich stark einschränkte und oft zur Ruhe im Liegestuhl zwang. Um ihr das Malen dennoch zu ermöglichen, baute ihr Ehemann Fritz Overbeck eine spezielle kleine Holzstaffelei, die sie sich im Liegen auf den Bauch stellen konnte. In dieser Phase der begrenzten Energie entstanden viele ihrer intimen Stillleben, darunter auch „Die Muschel“.

Symbolik und Vanitas

Kunsthistorisch lässt sich das Werk in die lange Tradition der Stilllebenmalerei einordnen, die ihre Blütezeit im 17. Jahrhundert erlebte. Die Muschel fungiert hierbei als vielschichtiges Symbol:

  • Reichtum und Handel: Als exotisches Objekt verweist sie auf globalen Handel und Kolonialismus.
  • Weiblichkeit: Seit der Antike (und berühmt durch Botticellis „Geburt der Venus“) ist die Muschel ein Attribut der Venus und steht für Schönheit und Fruchtbarkeit.
  • Memento Mori: Als Hülle eines ehemals lebendigen Tieres ordnet Malea Frickmann das Bild auch dem Vanitas-Gedanken zu – eine Mahnung an die Vergänglichkeit des Lebens.

Der „Fun Fact“: Muschel oder Schnecke?

Trotz des geläufigen Titels offenbart ein genauer Blick (und die Recherche des Museums), dass es sich streng genommen gar nicht um eine Muschel handelt. Das dargestellte Objekt ist eine Abalone (auch Seeohr genannt) – eine Schneckenart, die vor allem im Pazifikraum vorkommt. Ihre charakteristische Perlmuttschicht machte sie zu einem begehrten Sammlerstück, das seinen Weg in den Haushalt der Overbecks fand und dort später sogar als Schale für Fritz’ Pfeife diente.

Produktionsshinweis des Museums: Aus Datenschutzgründen wurden Passagen entfernt, in denen Besucher zu hören oder zu sehen sind. Dadurch kann der Schnitt des Videos teilweise ungewöhnlich wirken.

Mehr unter: overbeck-museum.de

Anzeige

Museumskalender

Newsletter