Was passiert, wenn die radikale Energie der Hardcore-Szene auf die Leinwände der zeitgenössischen Kunst trifft? Das preisgekrönte Duo Bárbara Wagner und Benjamin de Burca ist bekannt dafür, dorthin zu schauen, wo kulturelle Identität jenseits des Mainstreams entsteht. In ihrer neuen Schau in der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt graben sie tief – buchstäblich und metaphorisch.
Seit über zehn Jahren arbeiten Wagner (*1980) und de Burca (*1975) an der Schnittstelle von Dokumentation und Inszenierung. Ihr Geheimrezept: Sie filmen nicht über Menschen, sondern entwickeln ihre Werke im permanenten Dialog mit ihnen.
„Future of Yesterday“: Ein Denkmal für den Hardcore
In ihrer neuesten Produktion rücken die Künstler die Bands Blinded und One ins Rampenlicht. Der Film setzt sich intensiv mit der Hardcore-Szene und der Straight-Edge-Bewegung auseinander.
- Werte und Widerstand: Straight Edge – eine Subkultur, die auf den Verzicht von Alkohol, Drogen und Tabak setzt – wird hier als kollektive Praxis untersucht.
- Kulturelle Bewegung: Wagner und de Burca zeigen Hardcore nicht nur als Musikgenre, sondern als soziale Struktur, die ihren Mitgliedern Halt und Identität gibt.
- Dialog auf Augenhöhe: Wie in all ihren Filmen sind die Musiker nicht bloße Statisten, sondern Co-Regisseure ihrer eigenen Darstellung.
„The Tunnels We Dig“: Drei Werke, eine Verbindung
Der Titel der SCHIRN-Ausstellung, „The Tunnels We Dig“ (Die Tunnel, die wir graben), fungiert als roter Faden für die drei gezeigten Videoinstallationen. Im Interview erklärt das Duo die Symbolik dahinter:
- Verborgenes sichtbar machen: Die Tunnel stehen für die Wege unter der Oberfläche der „offiziellen“ Kultur.
- Subversive Pfade: Es geht um die Verbindungen, die Menschen abseits der etablierten Kunstkreise knüpfen, um ihre eigenen Räume und Ausdrucksformen zu schaffen.
- Archäologie der Gegenwart: Wagner und de Burca graben nach den Geschichten, die oft ungesehen bleiben, und bringen sie mit großer visueller Wucht in den musealen Raum.
Warum ihr Werk so aktuell ist
In einer Zeit, in der Popkultur oft glattgebügelt wirkt, feiern Wagner und de Burca das Rohe, das Kollektive und das Unangepasste. Ihre Filme sind ästhetische Kraftpakete, die uns zwingen, unsere Definition von „Hochkultur“ zu überdenken.
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