Was erzählen uns Kleider über Heimat, Widerstand und Migration? Die französisch-iranische Künstlerin Chalisée Naamani bringt ihre vielschichtigen „Bildgewänder“ nach Wien. Zum Auftakt ihrer ersten Einzelausstellung außerhalb Frankreichs diskutiert sie mit der Expertin für Diaspora-Ästhetik, Prof. Noit Banai, über die politische Macht der Textilien.
Chalisée Naamani (*1995, Paris) erschafft Skulpturen, die wie eine zweite Haut fungieren. Sie sind Archiv, Collage und Kleidungsstück zugleich. In einem komplexen Prozess der Schichtung verwebt sie persönliche Fotografien mit Internet-Fundstücken, Modezitaten und ornamentalen Traditionen. Das Ergebnis sind „weiche Skulpturen“, die sich einer eindeutigen Kategorisierung entziehen.
Die Skulptur als Archiv des Widerstands
In Kooperation mit dem renommierten Palais de Tokyo (Paris) zeigt die Künstlerin in Wien aktuelle Arbeiten, die weit über das Dekorative hinausgehen. Ihre Werke sind Träger von Geschichten über:
- Migration & Heimat: Wie manifestiert sich die Zugehörigkeit zu zwei Kulturen in der Materialität von Stoffen?
- Mutterschaft & Feminismus: Die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper und seiner Rolle in Gesellschaft und Kunstgeschichte.
- Widerstand: Kleidung als Medium des Protests und der Bewahrung kultureller Identität.
Diaspora-Ästhetik im Fokus
Das Gespräch mit Prof. Noit Banai von der Akademie der bildenden Künste Wien verspricht eine tiefgehende theoretische Einordnung. Banai, Spezialistin für Diaspora Aesthetics, wird Naamanis Praxis im Kontext globaler Wanderungsbewegungen und kultureller Hybridität beleuchten. Wie verändern digitale Archivdokumente und populärkulturelle Bilder unseren Blick auf traditionelles Handwerk?
Die Ausstellung markiert einen wichtigen Meilenstein für die junge Künstlerin und bietet dem Wiener Publikum die seltene Gelegenheit, eine neue Stimme der zeitgenössischen französischen Kunstszene kennenzulernen, die das Textile als politisches Manifest begreift.
Mehr unter: kunsthallewien.at





