Architektur der Macht: Das Staatsratsgebäude in der neuen Video-Reihe „Orte Ost“

Ein Bauwerk als ideologisches Manifest: Mitten im historischen Herzen Berlins steht das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR. Es ist ein steinerner Zeuge für den Anspruch der SED-Führung, Geschichte nicht nur zu verwalten, sondern physisch umzugestalten. In der neuen Folge der Video-Reihe „Orte Ost“ des DDR Museum Berlin analysiert der Historiker Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk, wie Architektur in der Diktatur zum Instrument der Herrschaftssicherung wurde.

Ab Mitte Januar 2026 widmet sich die Reihe diesem ersten repräsentativen Regierungsneubau Ost-Berlins. Das 1964 eröffnete Gebäude markierte das Ende der Ära Wilhelm Piecks und den Aufstieg des Staatsrats als kollektives Staatsoberhaupt unter der Führung Walter Ulbrichts.

Stein gewordene Geschichtsumdeutung

Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll, dass das Staatsratsgebäude weit mehr ist als eine bloße Hülle. Es ist eine bewusste Inszenierung von Kontinuität und Bruch:

  • Das Schloss-Portal: Als architektonisches „Zitat“ wurde das Portal IV des gesprengten Berliner Stadtschlosses in die moderne Fassade integriert – eine symbolische Aneignung der Geschichte, um die Legitimität des sozialistischen Staates zu untermauern.
  • Monumentale Kunst: Das ikonische Glasfenster von Walter Womacka im Treppenhaus bildet das ideologische Zentrum und feiert die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.
  • Die Sprache des Raums: Monumentale Säle und eine strenge Linienführung sollten Macht nicht nur ausüben, sondern physisch spürbar machen.

Vom Zentrum der Macht zum Ort der Bildung

Die Folge von „Orte Ost“ beschränkt sich jedoch nicht auf den historischen Rückblick. Sie verfolgt den Weg des Gebäudes durch die Wendungen der Nachwendezeit bis hin zu seiner heutigen Bestimmung. Wo einst über das Schicksal der DDR entschieden wurde, befindet sich heute eine offene Bildungsinstitution – ein „Lost Place“, der zum Zukunftsort umgewandelt wurde.

Über die Reihe „Orte Ost“

Mit Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk als Kurator setzt das DDR Museum Berlin auf eine lebendige Vermittlung von Zeitgeschichte. Die Reihe erscheint vierzehntägig ab Januar 2026 auf YouTube und verbindet:

  • Historische Präzision: Fachliche Einordnung durch einen der profiliertesten DDR-Historiker.
  • Visuelle Entdeckung: Begehungen von Orten, deren Geschichte oft hinter modernen Fassaden verborgen bleibt.
  • Gegenwartsbezug: Die Frage, wie diese steinernen Hinterlassenschaften unser heutiges Stadtbild und Bewusstsein prägen.

Mehr unter: ddr-museum.de

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