Ein Schloss ist kein fertiges Produkt, sondern ein Prozess. Ab Oktober 2026 wird das Stadtschloss Weimar nach jahrelanger Sanierung teilweise wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch wie saniert man ein Gebäude, das aus unzähligen, sich überlagernden Zeitschichten besteht? Eine neue Videoreihe blickt hinter die Kulissen einer der komplexesten Baustellen Deutschlands.
Seit 2018 wird das Schloss, Teil des UNESCO-Welterbes, denkmalgerecht hergerichtet. Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Erhalt historischer Substanz und den Anforderungen an ein modernes Museum des 21. Jahrhunderts.
Das Prinzip der permanenten Verwandlung
Wie Dr. Sebastian Dohe treffend formuliert, war das Schloss „nie einfach da“. Jede Epoche – vom Barock über die Weimarer Klassik bis hin zu späteren Umbauten – hat ihre Spuren hinterlassen. Die aktuelle Sanierung steht vor der Herausforderung, diese Zeitschichten nicht zu glätten, sondern als Erzählung lesbar zu machen.
- Die Substanz als Chronist: Jeder Stein, jede Tapetenbahn und jedes Stück Parkett erzählt von den Bewohnern, den Handwerkern und dem ästhetischen Zeitgeist vergangener Jahrhunderte.
- Der Ostflügel als Vorreiter: Im Oktober 2026 öffnet dieser Bereich als erster sanierter Teil. Er dient als Pilotprojekt für den Umgang mit der denkmalgeschützten Substanz.
Drei Wege im Umgang mit dem Bestand
Die Sanierung verfolgt unterschiedliche Strategien, um der Vielschichtigkeit des Gebäudes gerecht zu werden:
- Konservierung: Das Sichern des Vorhandenen, um den Status quo zu bewahren, ohne die Spuren des Alterns zu tilgen.
- Restaurierung: Die behutsame Wiederherstellung verlorener Details, basierend auf strengen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
- Adaption: Die Integration moderner Technik (Brandschutz, Barrierefreiheit, Klimatechnik), die für eine zeitgemäße Nutzung unerlässlich ist, sich aber dem historischen Erscheinungsbild unterordnen muss.
Einblick in die Sanierung (Die Videoreihe)
Die begleitende Videoreihe bietet seltene Einblicke „am offenen Herzen“ des Gebäudes:
- Raum für Raum: Dokumentation der spezifischen Herausforderungen in den verschiedenen Prunksälen und Kabinetten des Ostflügels.
- Handwerkskunst: Vorstellung der Spezialisten, die mit fast vergessenen Techniken Stuck, Vergoldungen und Textilien retten.
- Hinter den Kulissen: Wie wird ein Welterbe zur Baustelle, ohne seine Seele zu verlieren?
Idee und Konzept: Valerie Stephani, Jessica Christoph
Konzept und Umsetzung: Sebastian Wanke, Janis Blumnauer
Dank: Kerstin Arnold, Birgit Busch, Dr. Sebastian Dohe, Markus Flade, Christiane Hille, Silke Giersch, Iris Jacob, Franz Jaschke, Lisa Kirchner
Mehr unter: klassik-stiftung.de





