Wohnraum ist das soziale Versprechen unserer Zeit – und das größte Sorgenkind der Stadtentwicklung. In der neuen Folge der Filmreihe »Orte Ost« nimmt der Historiker Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk uns mit nach Berlin-Marzahn. Dort, wo einst eines der größten Neubaugebiete Europas aus dem märkischen Sand gestampft wurde, sucht er nach Antworten auf eine Frage, die heute aktueller ist denn je: Wie lässt sich schnell, massenhaft und bezahlbar Wohnraum schaffen?
Das Wunder von Marzahn: Ein politisches Großprojekt
In den 1980er-Jahren war Marzahn das Schaufenster der DDR-Sozialpolitik. Unter Erich Honecker wurde die „Wohnungsfrage als soziale Frage“ zum Kernstück der Legitimation des Staates. Das Instrument der Wahl war die Wohnungsbauserie 70 (WBS 70).
- Serielles Bauen: Die WBS 70 war das Rückgrat des DDR-Wohnungsbaus. Durch Normierung und industrielle Vorfertigung konnten in Rekordzeit zehntausende Wohnungen entstehen.
- Komfort für die Masse: Für viele Menschen bedeutete der Einzug in die „Platte“ einen Quantensprung an Lebensqualität – Zentralheizung, fließend warmes Wasser und ein eigenes Bad waren im sanierungsbedürftigen Altbaubestand Ost-Berlins keineswegs Standard.
Hinter der Fassade: Marzahn als Experimentierfeld
Ilko-Sascha Kowalczuk blickt in der Folge über die grauen Betonwände hinaus. Er untersucht, was das Leben in diesen Großsiedlungen ausmachte und wie sie sich von westdeutschen Trabantenstädten unterschieden. War Marzahn lediglich eine „Schlafstadt“ oder ein durchdachtes soziales Gefüge mit Schulen, Kaufhallen und Grünzügen?
Der Wandel: Vom Schandfleck zum Zukunftsmodell?
Nach 1990 klebte lange Zeit das Etikett des „sozialen Brennpunkts“ an den Plattenbausiedlungen. Doch die Filmreihe zeigt ein anderes Bild:
- Die grüne Platte: Durch Sanierungen, Rückbau und massive Begrünung haben sich viele Viertel zu attraktiven, vielfältigen Wohnorten gewandelt.
- Die Rückkehr der Serie: Angesichts explodierender Baukosten und akuter Wohnungsnot diskutieren Architekten und Politiker heute erneut über modulares, serielles Bauen. Kann das Prinzip der Platte die Krise des 21. Jahrhunderts lösen?
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