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Der moderne Alchemist: Mit Neutronen auf der Jagd nach Gold und Geheimnissen

4. März | 19:00

Blei in Gold verwandeln – was früher als magischer Traum der Alchemisten galt, ist heute wissenschaftliche Realität. Doch die moderne Neutronenforschung kann noch viel mehr: Sie entlarvt gefälschte Trüffel und liest die Geburtsurkunde antiker Amphoren. Am 4. März 2026 gibt Dr. Christian Stieghorst im Deutschen Museum München exklusive Einblicke in eine Welt, in der ein einzelnes Atom unter Billionen den Unterschied macht.

In dem Vortrag der Reihe „Wissenschaft für jedermann“ nimmt der Physiker Dr. Christian Stieghorst (FRM II / TU München) sein Publikum mit auf eine Reise in das Innere der Materie. Dabei erklärt er nicht nur, wie Elemente entstehen, sondern zeigt, wie wir sie heute mit beispielloser Präzision manipulieren und analysieren können.

Die Lupe der Superlative: Ein Atom unter Billionen

Im Zentrum des Vortrags steht die Neutronen-Aktivierungsanalyse. An der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) in Garching nutzt Stieghorst diese Methode, um die chemische Signatur von Proben zu entschlüsseln. Die Empfindlichkeit ist atemberaubend: Die Forscher können damit ein einziges Atom nachweisen, das sich unter mehreren Billionen anderen Atomen versteckt.

Wo diese Präzision den Alltag verändert:

  • Umweltschutz: Anhand von Flechten in Portugal messen Wissenschaftler die Luftverschmutzung durch Holzkohlemeiler. Selbst winzigste Spuren von Phosphor und Schwefel im Rauch werden so nachweisbar.
  • Lebensmittelsicherheit: Ist der teure Trüffel echt? Die Elementzusammensetzung liefert den unbestechlichen Beweis für die Herkunft und Echtheit edler Pilze.
  • Archäologie: Durch die Analyse antiker Amphoren lässt sich bestimmen, in welchem spezifischen Brennofen sie vor Jahrtausenden gefertigt wurden – ein digitaler Fingerabdruck der Geschichte.

Kann man aus Blei wirklich Gold machen?

Dr. Stieghorst geht der ultimativen Frage der Alchemie nach. Die Antwort ist ein physikalisches „Ja“. Er erklärt, wie Neutronen Elemente ineinander umwandeln können und bringt reale Beispiele für diese Transmutation mit. In der modernen Industrie ist das längst kein Zaubertrick mehr: Umgewandelte Elemente finden heute beispielsweise in Hochleistungshalbleitern Verwendung.

Über den Referenten

Dr. Christian Stieghorst ist seit 2016 eine tragende Säule an der Forschungs-Neutronenquelle FRM II der Technischen Universität München. Nach seinem Studium in Hannover und der Promotion in Kernchemie in Mainz spezialisierte er sich auf die Elementanalyse und Datenauswertung. Er gilt als Experte darin, komplexe physikalische Prozesse für ein breites Publikum verständlich aufzubereiten.

Mehr unter: deutsches-museum.de