Ein Papstgeschenk für Nürnberg: Der „Piusaltar“ kehrt ins Licht der Öffentlichkeit

© Germanisches Nationalmuseum, Foto: Georg Janßen

Es ist eine kunsthistorische Sensation: Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg hat ein bisher völlig unbekanntes Meisterwerk der römischen Goldschmiedekunst erworben. Das über einen Meter hohe Silberrelief, ein diplomatisches Geschenk von Papst Pius VI., war jahrhundertelang in Privatbesitz verborgen. Nun wird das letzte Werk des berühmten Luigi Valadier erstmals der Welt präsentiert.

Mit einer Fördersumme von 700.000 Euro durch die Kulturstiftung der Länder sowie der Unterstützung weiterer namhafter Stiftungen ist es dem GNM gelungen, diesen „Piusaltar“ für die öffentliche Forschung und Bewunderung zu sichern.

Ein Siegel päpstlicher Gunst

Das Relief, das die Beweinung Christi (Pietà) zeigt, ist weit mehr als ein sakrales Andachtsbild. Es ist ein hochkarätiges Zeugnis der europäischen Machtpolitik des späten 18. Jahrhunderts:

  • Der Anlass: Papst Pius VI. schenkte das Werk 1786 der bayerischen Herzogin Maria Anna von Pfalz-Zweibrücken. Vermutlich war es ein Patengeschenk zur Geburt ihres Sohnes Pius August, für den der Papst persönlich die Patenschaft übernommen hatte.
  • Die Symbolik: Als Hausaltar konzipiert, steht das Werk für die enge Verflechtung zwischen dem Vatikan und dem bayerischen Adel im Vorabend der napoleonischen Umbrüche.

Das Vermächtnis des Luigi Valadier

Luigi Valadier (1726–1785) war der Star der römischen Goldschmiedeszene. Seine Werkstatt belieferte die mächtigsten Häuser Europas. Der Piusaltar gilt als sein vermutlich letztes Werk, vollendet kurz vor seinem Tod.

  • Handwerkliche Brillanz: Das Relief besticht durch eine außergewöhnliche Detailtiefe und Qualität, die Valadiers Ruf als führender Vertreter seiner Zunft untermauert.
  • Forschungspremiere: Da es bislang keinerlei wissenschaftliche Publikationen zu diesem Werk gibt, wird es seit 2025 in einem transdisziplinären Projekt untersucht. Kunsttechnologen und Historiker analysieren derzeit die Herstellungstechniken und die genauen Umstände der Schenkung.

Den Altar erleben: Sonderpräsentation 2026

Lange Zeit war der Piusaltar nur den Augen seiner privaten Besitzer vorbehalten. Das ändert sich nun:

  1. Sonderpräsentation: Vom 3. März bis 3. Mai 2026 wird das Meisterwerk im Rahmen einer speziellen Schau im GNM ausgestellt.
  2. Dauerausstellung: Ab 2027 wird der Altar einen festen Platz in der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums finden.

Mehr unter gnm.de und www.kulturstiftung.de

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