Ein Generationenwechsel an einer der bedeutendsten Schnittstellen der Braunschweiger Kulturlandschaft: Seit dem 1. Februar 2026 leitet Dr. Astrid Becker das Kupferstichkabinett im Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM). Als Expertin für die Moderne und Pionierin der digitalen Erschließung soll sie das Haus in eine neue Ära führen.
Nach 35 Jahren, in denen Prof. Dr. Thomas Döring das Kabinett maßgeblich prägte, übernimmt mit Dr. Astrid Becker eine profilierte Kunsthistorikerin das Ruder. Sie fungiert künftig nicht nur als Hüterin von rund 130.000 Blättern, sondern auch als stellvertretende Direktorin und strategische Kopf hinter der digitalen Transformation des Museums.
Von der Graveurin zur Museumsdirektorin
Beckers Werdegang ist eng mit dem Medium Papier verwoben. Ihre Laufbahn beeindruckt durch Stationen bei namhaften Institutionen:
- Wissenschaftliches Fundament: Promotion über Max Beckmann und langjährige Erfahrung an der Kunsthalle Bremen sowie der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde.
- Expertise auf Papier: Als ehemalige stellvertretende Direktorin der Nolde-Stiftung leitete sie komplexe Digitalisierungsprojekte und kuratierte Ausstellungen zur Klassischen Moderne.
- Handwerkliche Nähe: Eine Ausbildung zur Graveurin verleiht ihr ein besonderes Verständnis für die materiellen Prozesse der Grafik.
Die digitale Offensive: „DigiVers“ und mehr
Einer der zentralen Schwerpunkte ihrer neuen Aufgabe ist die Weiterentwicklung des „Virtuellen Kupferstichkabinetts“. Becker wird zudem eine Schlüsselrolle im landesweiten Projekt „DigiVers“ einnehmen. Seit Januar 2026 arbeiten hier sechs niedersächsische Landesmuseen zusammen, um ihre Bestände digital zu vernetzen und einem globalen Publikum zugänglich zu machen.
Brückenbau und Partizipation
Für Dr. Astrid Becker ist das Museum kein Elfenbeinturm. Sie plant, das HAUM stärker für die Braunschweiger Stadtgesellschaft zu öffnen:
- Gegenwart trifft Vergangenheit: Epochenübergreifende Ausstellungen sollen historische Bestände mit zeitgenössischen Diskursen verknüpfen.
- Fokus auf Künstlerinnen: Ein besonderes Anliegen ist ihr die Sichtbarmachung von Frauen in der Kunstgeschichte, die bislang oft unterrepräsentiert blieben.
- Offener Diskurs: „Die Kunst lebt vom Austausch“, so Becker, die verstärkt auf partizipative Ansätze setzen möchte, um Menschen aller Generationen und Kulturen zu erreichen.
Ein Erbe von Weltrang
Das Kupferstichkabinett des HAUM, gegründet 1754, beherbergt Schätze von internationalem Rang. Die Sammlung umfasst Meisterwerke von Dürer und Rembrandt bis hin zu modernen Ikonen wie Andy Warhol und Maria Lassnig. Mit Dr. Becker gewinnt diese Sammlung eine Leiterin, die wissenschaftliche Tiefe mit moderner Innovationskraft verbindet.
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