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Mythos vs. Realität: Die Wehrmacht als „Armee des Rückzugs“

17. Februar | 19:00

In der deutschen Erinnerungskultur dominieren oft die Bilder der „Blitzkriege“ und frühen Siege der Wehrmacht. Doch die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Von den 47 Monaten des Krieges gegen die Sowjetunion befanden sich die deutschen Truppen über 30 Monate lang auf dem Rückzug. Am 17. Februar 2026 stellt der Historiker Christian Stein in der Topographie des Terrors in Berlin seine wegweisende Analyse dieses langsamen Untergangs vor.

Basierend auf seinem 2025 erschienenen Werk „Armee des Rückzugs“ räumt Christian Stein mit der einseitigen Fokussierung auf die deutsche Offensive auf. Er lenkt den Blick auf die Zeit ab der Jahreswende 1941/42, über das Fanal von Stalingrad bis zur endgültigen Kapitulation 1945.

Eine neue Geschichte der Niederlage

Stein nutzt den Rückzug als Leitschnur, um die Transformation der Wehrmacht zu untersuchen. Dabei stehen vier zentrale Säulen im Fokus:

  • Konzepte & Praktiken: Wie plante und vollzog eine Armee, die auf den Angriff gedrillt war, ihre Defensivbewegungen?
  • Wahrnehmung: Wie veränderte sich das Selbstbild der Soldaten und der Führung angesichts der permanenten Weichenstellung Richtung Westen?
  • Die Taktik der „Verbrannten Erde“: Der Rückzug war keine rein militärische Bewegung, sondern eine Fortsetzung des Vernichtungskrieges mit anderen Mitteln.

Vernichtung im Rückwärtsgang

Ein zentraler Aspekt von Steins Forschung ist die Entlarvung der zerstörerischen Dynamik des deutschen Rückzugs. Das Bild der „sauberen Wehrmacht“, die lediglich militärisch unterlag, wird hier dekonstruiert:

  • Entvölkerung & Raub: Auf ihrem Weg zurück hinterließ die Wehrmacht weite Teile Osteuropas als verwüstetes Ödland.
  • Zerstörung der Lebensgrundlagen: Zehntausende Dörfer und Städte wurden planmäßig dem Erdboden gleichgemacht.
  • Menschliches Leid: Hunderttausende Zivilisten verloren ihr Leben, Millionen wurden zur Zwangsarbeit verschleppt.

Christian Stein macht deutlich: Der Vernichtungskrieg endete nicht mit dem Verlust der Initiative. Er intensivierte sich vielmehr in der rücksichtslosen Zerstörung jener Gebiete, die man nicht mehr halten konnte. Ein Vortrag, der die deutsche Militärgeschichte an einem ihrer schmerzhaftesten und notwendigsten Punkte hinterfragt.

Mehr unter: topographie.de