DAM-Architekturpreis 2026 für Moritz Bernoully: Mut zur Imperfektion in Berlin-Moabit: Mut zur Imperfektion in Berlin-Moabit

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) hat den Preisträger des renommierten DAM Preises für Architektur in Deutschland 2026 bekannt gegeben. In einer Zeit, in der Bauen oft durch Perfektionismus und starre Normen geprägt ist, setzt die Jury ein deutliches Zeichen für den Bestand und das Unfertige: Ausgezeichnet wird die Erweiterung und der Umbau des ehemaligen Güterbahnhofs in Berlin-Moabit.

Ein filigranes Denkmal der Nutzung

Das Projekt, entworfen vom Architektenteam rund um Peter Grundmann, transformiert die Überreste einer alten Güterbahnhofshalle in ein lebendiges Zentrum für Kunst und Medien. Die Architekten wählten dabei einen bemerkenswert behutsamen Ansatz. Statt den Bestand radikal zu sanieren, wurden historische Fassungsmauern und sogar Graffiti als authentische „Spuren der Zeit“ erhalten.

Eine filigrane Stahlrahmenkonstruktion und ein gläserner Umbau ergänzen die historische Substanz. Diese neue Hülle ermöglicht im ersten Obergeschoss eine großzügige Halle, während der Dachterrassenbereich für die Öffentlichkeit und verschiedene Veranstaltungen nutzbar gemacht wurde. Das Ensemble beherbergt zudem Werkräume für Künstler sowie „Artist-in-Residence“-Programme.

Die Stärke des Unfertigen

Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von der „wohltuenden Imperfektion“ des Entwurfs. Viele Details wurden pragmatisch direkt vor Ort entschieden, anstatt sie in einer rein externen, starren Planung vorzugeben. Das Gebäude lebt von seiner Aneignung durch die Nutzer und bietet Raum für stetige Veränderung.

„Es ist ein Gebäude, das von seiner Aneignung lebt und nicht von der vorgefertigten Aufteilung in bestimmte Raumbereiche“, erläutert Jörg Förster vom DAM. Diese Flexibilität mache die eigentliche Qualität des Zentrums für Kunst und Medien aus.

Ein etabliertes Verfahren

Der DAM Preis blickt mittlerweile auf eine 20-jährige Tradition zurück. Das Auswahlverfahren ist mehrstufig: Aus einer anfänglichen Recherche von rund 200 Gebäuden wird eine Longlist von 100 Objekten erstellt. Eine jährlich wechselnde Jury aus Experten, Journalisten und Vertretern der Vorjahrespreisträger filtert daraus eine Shortlist von 25 Projekten. Die Finalisten werden schließlich vor Ort bereist, bevor die endgültige Entscheidung fällt.

Die Ausstellung zum DAM Preis 2026 präsentiert neben dem Preisträgerprojekt auch die weiteren nominierten Bauwerke der Shortlist und bietet einen umfassenden Einblick in das aktuelle Baugeschehen in Deutschland.

Mehr unter: dam-online.de

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