Hamburg ohne ein jüdisches Museum? Für Sonja Lahnstein-Kandel, Initiatorin des Fördererkreises, ist das ein unhaltbarer Zustand. In einem eindringlichen Statement macht sie deutlich, dass die Stadt ihren jüdischen Bürgern – den vergangenen wie den heutigen – einen zentralen Ort der Würdigung schuldet.
Die Situation ist dringlich: Da das Museum für Hamburgische Geschichte aufgrund umfassender Renovierungen für Jahre geschlossen bleibt und das neue Konzept keine eigenständige jüdische Abteilung mehr vorsieht, droht die jüdische Geschichte in der Hansestadt unsichtbar zu werden.
Mehr als nur ein Gedenken an die Vergangenheit
Lahnstein-Kandel betont, dass ein jüdisches Museum weit über die reine Geschichtsschreibung hinausgehen muss. Es gehe um:
- Identität und Herkunft: Ein Ankerpunkt für Nachkommen aus aller Welt (z. B. aus den USA), die in Hamburg nach den Wurzeln ihrer vertriebenen oder ermordeten Familien suchen.
- Bildung und Begegnung: Ein Ort, an dem Menschen lernen können, was Judentum eigentlich bedeutet – jenseits von Klischees.
- Respekt vor der Leistung: Eine dauerhafte Anerkennung dessen, was jüdische Hamburger zur Entwicklung und zum Wohlstand dieser Stadt beigetragen haben.
Kritik an der „Kultur des Gedenkrituals“
Besonders kritisch äußert sich Lahnstein-Kandel über eine Form der Erinnerungskultur, die sich vor allem den „toten Juden“ zuwendet. Es sei einfach, am 27. Januar (Holocaust-Gedenktag) Rituale zu vollziehen und Geschichten der Verstorbenen zu erzählen. Viel schwieriger, aber umso notwendiger sei es, die Perspektive auf das heutige jüdische Leben zu richten.
„Eigentlich kommt man der Verpflichtung nicht nah, wenn man nicht sagt: Unter uns leben auch jüdische Bürger und Bürgerinnen und deren Geschichten wollen wir auch hören.“
Ein Museum für das lebendige Judentum
Das geforderte Museum soll den Dialog fördern: Wie leben jüdische Menschen heute in Hamburg? Was bewegt sie, was macht ihnen Angst? Ein Jüdisches Museum Hamburg wäre damit nicht nur ein Ort der Rückschau, sondern ein lebendiges Forum, das jüdische Gegenwart sichtbar macht und schützt – gerade in einer Zeit, in der Sichtbarkeit und Sicherheit wichtiger denn je sind.
Zur Person
Sonja Lahnstein-Kandel ist Mitglied im Fachbeirat „Jüdisches Leben“ und die treibende Kraft hinter dem Fördererkreis für ein Jüdisches Museum in Hamburg. Ihr Engagement zielt darauf ab, die Lücke in der Hamburger Museumslandschaft dauerhaft zu schließen.
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