Ab dem 19. März 2026 präsentiert der Gropius Bau eine außergewöhnliche Doppelausstellung, die zwei radikale Positionen der Fotografie in einen generationsübergreifenden Dialog bringt. „Persistence of Vision“ vereint die eindringlichen Porträts von Peter Hujar mit den skulpturalen, prozesshaften Arbeiten von Liz Deschenes. Es ist die erste große Werkschau beider Künstler in Berlin.
Erfahren Sie, wie Licht, Zeit und Körperlichkeit die Grenzen des Mediums Fotografie in dieser Schau neu definieren.
Peter Hujar: Das Antlitz der Avantgarde
Peter Hujar (1934–1987) war der Chronist des New Yorker East Village in einer Zeit des Umbruchs – zwischen Stonewall und der AIDS-Krise.
- Kompromisslose Klarheit: Hujar porträtierte Menschen, die sich extremen Freiheiten verschrieben hatten. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Ikonen wie Susan Sontag, William S. Burroughs oder Candy Darling sind heute legendär.
- Themen: Neben Porträts zeigt die Ausstellung (ca. 120 Werke) auch Bilder von Tieren, Ruinen und Natur, die sich intensiv mit Gemeinschaft, Sexualität und dem Tod auseinandersetzen.
- Struktur: Die Hängung orientiert sich an Hujars letzter Ausstellung von 1986 – ein strenges Raster, das sich jeder Kategorisierung entzieht.
Liz Deschenes: Fotografie als Skulptur
Die 1966 geborene Liz Deschenes bricht mit der Vorstellung, Fotografie bilde lediglich einen Moment ab. Sie erforscht die materiellen Grundlagen des Mediums: Licht und Chemie.
- Licht & Zeit: Deschenes nutzt unter anderem silbernes Fotopapier, das sie nachts im Freien dem Mondlicht aussetzt. Die entstehenden Fotogramme oxidieren und verändern sich im Laufe der Zeit.
- Raumbezug: Ihre Arbeiten, oft unter Verwendung von Glas, haben eine skulpturale Qualität. Sie reagieren auf die Architektur des Gropius Bau und die Bewegung der Betrachtenden im Raum.
Ein Dialog in der Ruine
Die Kuratorinnen Eva Respini und Monique Machicao y Priemer Ferrufino haben die Werke so verwoben, dass spannende Resonanzen entstehen:
- Die Nacht als Medium: Deschenes’ Mondlicht-Fotogramme treffen auf Hujars nächtliche Aufnahmen von New York.
- Architektur der Fragilität: Hujars Ruinenfotos begegnen Deschenes’ Skulpturenserie Retaining, die an Baugerüste erinnert. Dies verweist auch auf die Geschichte des Gropius Bau, der selbst jahrzehntelang als Ruine leer stand.
- Innehalten: Während Hujars Porträts Intimität schaffen, geben Deschenes’ Werke der Ausstellung einen dramaturgischen Rhythmus, der zum bewussten Sehen einlädt.
Mehr unter: gropiusbau.de







