Hamburg blickt auf eine über vier Jahrhunderte währende, pluralistische jüdische Geschichte zurück. Mit dem neuen Projektraum „Wegmarken Jüdischer Geschichte“ schafft das Altonaer Museum nun nicht nur eine dauerhafte Ausstellungsfläche, sondern auch ein Forum für die aktuelle Debatte um ein zukünftiges Jüdisches Museum für die Hansestadt.
Jüdische Geschichte in Hamburg ist eine Geschichte der Vielfalt – und der Gegensätze. Während das Altonaer Generalprivileg von 1641 den dortigen Jüdinnen und Juden bereits früh weitreichende Rechte wie Handelsfreiheit und Selbstverwaltung einräumte, war das jüdische Leben in der damals eigenständigen Stadt Hamburg über lange Zeit von einem zähen Ringen um bürgerliche Gleichstellung geprägt.
14 Stationen einer bewegten Historie
Im Zentrum des neuen Projektraums stehen 14 ausgewählte Daten zwischen 1611 und 2020. Diese Wegmarken wurden in enger Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern wie dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) erarbeitet. Sie führen die Besucher durch entscheidende Momente:
- Religiöse Innovation: Die Entstehung des Reformjudentums im frühen 19. Jahrhundert.
- Bürgerliches Engagement: Das Wirken von Persönlichkeiten wie Salomon Heine oder Albert Ballin.
- Zäsur und Erinnerung: Die Zerstörung der Bornplatzsynagoge 1938 und die aktuelle Debatte um deren Wiederaufbau.
Objekte und ihre Biografien
Die Ausstellung präsentiert eindrucksvolle Exponate, darunter das Modell der Synagoge in der Elbstraße von 1788 und eine Löwenskulptur vom jüdischen Friedhof an der Königstraße. Besonders wichtig ist die kritische Auseinandersetzung mit der Provenienz: Vier Hörstationen beleuchten die Wege geraubter Silberobjekte in die Museumssammlungen und stellen Fragen nach heutiger Verantwortung und Aufarbeitung.
Ein Museum im Werden
Der Projektraum versteht sich explizit als Diskursfläche. Er greift die seit 2024 intensivierte Diskussion über ein eigenständiges Jüdisches Museum für Hamburg auf. Die Stadtgesellschaft ist eingeladen, Perspektiven zu Aufgaben und Inhalten einer solchen Institution einzubringen.
Ein digitaler Stadtplan des IGdJ schlägt zudem die Brücke in die Gegenwart und zeigt auf, wo jüdisches Leben heute im Stadtbild sichtbar und erlebbar ist.
Ausblick: Große Sonderausstellung im November 2026
Als nächster Meilenstein in diesem Prozess ist für November 2026 eine umfassende Sonderausstellung im Altonaer Museum geplant. Diese wird die Ergebnisse des Projektraums vertiefen und sich intensiv mit modernen Fragen zu jüdischer Identität, Diversität und Migration auseinandersetzen.
Mehr unter: www.shmh.de






