300.000 Jahre alter Berberaffen-Zahn erstmals im paläon Forschungsmuseum

Ein rund 300.000 Jahre alter Milchbackenzahn eines Berberaffen ist ab sofort erstmals öffentlich im paläon Forschungsmuseum in Schöningen zu sehen. Der nahezu vollständig erhaltene Zahn wurde an einer Grabungsstelle in unmittelbarer Nähe des Museums entdeckt – an einem Ort, der bereits durch die zwischen 1994 und 1998 entdeckten Schöninger Speere auch international bekannt ist.

Fotografie und 3d Druck eines Berberaffenzahns aus sechs verschiedenen Perspektiven.
Gefundener Berberaffenzahn, Foto © Ivo Verheijen und Mike Reich

Der knapp einen Zentimeter große Zahn stammt von einem etwa einjährigen Jungtier. Wissenschaftlich ist der Fund besonders bedeutsam: Er gilt als bislang nördlichster Nachweis eines Berberaffen auf dem europäischen Festland.

Gefunden wurde der Zahn bereits im Jahr 2004. Es dauerte aber zwanzig Jahre, den Fund eindeutig einem Berberaffen zuzuordnen, sagte der Leidener Archäozoologe Prof. Thijs van Kolfschoten dem Norddeutschen Rundfunk:

Ein Zahn erzählt von Europas Vergangenheit

Der Fund erweitert die Kenntnisse über die frühere Verbreitung des Berberaffen (Macaca cf. *sylvanus). Heute lebt die Art noch in Teilen Nordafrikas sowie in Gibraltar an der Südspitze Europas. Während des Pleistozäns, das vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann und vor rund 12.000 Jahren endete, war der Berberaffe dagegen deutlich weiter verbreitet. Sein Lebensraum erstreckte sich über weite Teile Süd- und Mitteleuropas bis nach Deutschland und England. Im Verlauf des Pleistozäns ging das Verbreitungsgebiet der Primaten in Europa immer weiter zurück. Während der letzten Eiszeit starb die Art auf dem europäischen Kontinent schließlich aus.

Originalfund und moderne Makaken im Museum

Das Original des rund 300.000 Jahre alten Zahns ist nun im paläon Forschungsmuseum zu sehen. Ergänzt wird das Exponat durch detaillierte 3D-Drucke, die den oberen vorderen Milchbackenzahn stark vergrößert darstellen.

Für einen direkten Vergleich zeigt das Museum außerdem Schädel und Zähne verschiedener heute lebender Makakenarten. Zu sehen sind unter anderem Berberaffe, Javaneraffe, Rhesusaffe, Schopfaffe und Mohrenmakake. Damit können Besucherinnen und Besucher nachvollziehen, welche Merkmale des fossilen Zahns für die wissenschaftliche Bestimmung relevant sind.

Fundstelle liegt nahe den Schöninger Speeren

Besonders interessant ist auch der Fundort. Der Zahn wurde in unmittelbarer Nähe des Museums geborgen – im Umfeld jener archäologischen Fundstellen, an denen die Schöninger Speere entdeckt wurden. Die Funde aus Schöningen geben wichtige Einblicke in die Umwelt und Lebensbedingungen des Mittelpleistozäns. Der Berberaffen-Zahn ergänzt dieses Bild nun um einen weiteren Hinweis auf die damalige Tierwelt.

Einblick in die aktuelle Forschung

„Mit der Universität Tübingen und dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment sowie dem Grabungsteam um Dr. Jordi Serangeli besteht eine wachsende sehr gute Zusammenarbeit“, erklärt Dr. Mike Reich, Direktor des Staatlichen Naturhistorischen Museums.

Das paläon Forschungsmuseum ist seit 2025 an das Staatliche Naturhistorische Museum angeschlossen. Die Präsentation des neuen Fundes ermöglicht es, aktuelle wissenschaftliche Forschung zeitnah für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Vom Fossilfund zum Forschungsergebnis

Die wissenschaftliche Untersuchung des Zahns wurde von Professor Dr. Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden, Dr. Jordi Serangeli vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Ivo Verheijen vom paläon Forschungsmuseum durchgeführt.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind inzwischen in der Fachzeitschrift „Quaternary Environments and Humans“ veröffentlicht worden.

Berberaffe steht auch für den Artenschutz

Der fossile Zahn erzählt nicht nur von einer längst vergangenen Tierwelt. Er macht zugleich sichtbar, wie stark sich Verbreitungsgebiete und Artenvielfalt im Laufe der Erdgeschichte verändern können.

Der Berberaffe ist heute in seinem verbliebenen natürlichen Lebensraum stark vom Aussterben bedroht. Das 300.000 Jahre alte Exponat steht damit sowohl für den Artenreichtum vergangener Zeiten als auch für den Verlust von Arten und die Bedeutung ihres Schutzes. Mit dem Fund verbindet das paläon Forschungsmuseum somit Paläontologie, Evolutionsgeschichte und modernen Artenschutz – und macht einen außergewöhnlichen Forschungsfund unmittelbar vor Ort erlebbar.

Mehr unter: forschungsmuseum-schoeningen.de

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