Am 02. Juli 2026 feiert das Zeppelin Museum im historischen Hafenbahnhof seinen 30. Geburtstag. Doch statt einer rein nostalgischen Rückschau wählt die neue Direktorin Silvia Rückert einen mutigen Weg: Mit der Jahreskampagne „Gefühlte Wahrheiten“ unterzieht sich das Museum einer radikalen Selbstbefragung und lädt die Menschen in Friedrichshafen ein, „ihr“ Museum völlig neu zu entdecken.
„Einmal Zeppelin Museum reicht doch, oder?“ – Solche Sätze hört das Team oft. Die Kampagne 2026 greift diese Vorurteile und unhinterfragten Meinungen auf, um sie kritisch, ironisch und wissenschaftlich fundiert zu zerlegen.
Die „Häfler“ zurück ins Boot holen
Trotz beeindruckender 240.000 Gäste pro Jahr stammt der Großteil aus dem internationalen Tourismus. Die Einheimischen hingegen kennen das Haus oft nur noch aus Schultagen.
- Beteiligung statt Berieselung: Silvia Rückert will das Museum wieder fest in den Köpfen der Stadtgesellschaft verankern. Zukünftige Beteiligungsformate sollen das Haus zu einem lebendigen Ort machen, den die Bürger:innen aktiv mitgestalten können.
- Wider das „Been there, done that“: Marketingreferentin Frauke Stengel betont, dass das Museum weit mehr ist als die Dauerausstellung. Jährlich wechselnde Themen, Workshops und Diskurse machen das Haus zu einer dynamischen Kulturplattform.
Das Phänomen der „Gefühlten Wahrheiten“
Was wir glauben zu wissen, basiert oft auf unreflektiertem Gehörtem. Dominik Busch, Leiter der Abteilung Diskurs & Kommunikation, warnt: Solche „gefühlten Wahrheiten“ können der Nährboden für Vorurteile oder gar Geschichtsverdrehungen sein.
- Provokation als Einladung: Das Museum nutzt bewusst virale Dynamiken und provokante Aussagen, um die eigene Neutralität und die Wahrnehmung der Stadt Friedrichshafen (Stichwort: „Friedhofshafen“?) zu hinterfragen.
Der Mythos unter der Lupe: Zeppeline und das NS-Regime
Ein besonders hartnäckiger Mythos ist das Bild des Zeppelins als „unpolitische Technik“. Die Sonderausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“ (ab 21. Mai 2026) räumt konsequent mit dieser nostalgischen Verklärung auf.
- Wissenschaftliche Aufarbeitung: Nach jahrelanger Forschung präsentiert das Museum erstmals umfassend das komplexe Verhältnis der Luftschifffahrt zum Nationalsozialismus.
- Brücke zur Gegenwart: Zeitgenössische Kunst und moderne Vermittlungsangebote schlagen den Bogen zu aktuellen Debatten über Medienbildung und politische Beeinflussung.
„Die Menschen in Friedrichshafen sollen begreifen, dass das Zeppelin Museum ihr Museum ist, das Sie aktiv mitgestalten können“ — Silvia Rückert, Direktorin
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