Was passierte eigentlich nach dem Aussterben der Dinosaurier? Eine Epoche, die oft im Schatten der Urzeitriesen steht, ist das Oligozän. Doch ein Blick in die Erdgeschichte Westfalens verrät: Es war eine Zeit spektakulärer Meeressäuger, archaischer Wale und dramatischer klimatischer Veränderungen.
Marco Schade, Paläontologe und Leiter des Dobergmuseums in Bünde, nimmt uns mit auf eine Reise in eine Welt, die vor etwa 34 Millionen Jahren begann und vor 23 Millionen Jahren endete. Das Oligozän – griechisch für „wenig Neues“ – verdankt seinen Namen der Tatsache, dass damals erst wenige Tiergruppen existierten, die wir heute in exakt derselben Form kennen.
Westfalen unter Wasser
Wer heute durch Ostwestfalen spaziert, kann es sich kaum vorstellen: Während des Oligozäns waren weite Teile Norddeutschlands und NRWs von einem Meer bedeckt. In diesem „Ur-Meer“ tummelte sich eine beeindruckende Fauna:
- Meeresbewohner: Seeigel, Muscheln, Robben und Haie waren weit verbreitet.
- Spektakuläre Säuger: Besonders markant waren Seekühe (wie das Skelett von Anomotherium) und frühe Zahnwale.
- Exotische Nachweise: Sogar Krokodile und Vögel bevölkerten die Küstenregionen – ein klarer Hinweis darauf, dass es damals in Europa deutlich wärmer war als heute.
Die Evolution der Wale
Das Oligozän war ein entscheidendes Kapitel für die Entwicklung der Wale. Eines der berühmtesten Fossilien aus dem Doberg ist der Schädel des Zahnwals Eosqualodon. Das Besondere: Im Gegensatz zu heutigen Zahnwalen besaß er noch drei verschiedene Zahnformen in seinem Kiefer – ein archaisches Merkmal. Aktuelle Forschungen nutzen CT-Scanner, um sogar das Innenohr und die Gehirnkapsel dieser Urzeit-Räuber zu untersuchen.
Klimawandel und Flora
Das globale Klima kühlte sich im Oligozän merklich ab. In dieser Zeit bildete sich die erste permanente Eiskappe in der Antarktis. In Europa prägten sich erstmals stärkere Jahreszeiten mit deutlichen Unterschieden zwischen Sommer und Winter aus. An Land dominierten bereits Blütenpflanzen; Fossilien von Buchen und Weiden zeugen von der Vegetation an den Meeresrändern.
Ein unberührter Planet
Auf die Frage, was uns bei einer echten Zeitreise am meisten überraschen würde, hat Marco Schade eine klare Antwort: Die Reinheit der Natur. Im Oligozän gab es kein Mikroplastik, keine abgeholzten Urwälder und keinen industriellen Bergbau. Es war eine Welt in ihrem ursprünglichen Zustand – ohne den alles verändernden Einfluss des Menschen.




