Yalla! Eine Reise durch arabisch-jüdische Lebenswelten in München

„Yalla“ – ein Wort, das Brücken schlägt. Ab dem 29. April 2026 widmet sich das Jüdische Museum München mit der Ausstellung „Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen“ einem Thema von enormer historischer Tiefe und brennender Aktualität. Es geht um eine Geschichte, die von enger Nachbarschaft und gegenseitiger Bereicherung erzählt, aber auch von schmerzhaften Brüchen und dem Ringen um Identität.

Die Ausstellung blickt weit über die Grenzen Europas hinaus nach Nordafrika und Westasien. Dort, wo jüdisches Leben über Jahrhunderte untrennbar mit dem arabischen Umfeld verwoben war, entstanden gemeinsame Traditionen in Musik, Sprache und Philosophie.

Zwischen Symbiose und Bruch

Die geteilte Vergangenheit von Jüdinnen und Juden in der arabischen Welt war lange Zeit von einer kulturellen Nähe geprägt, die heute oft in Vergessenheit geraten ist.

  • Gemeinsame Wurzeln: Die Ausstellung erinnert an den Austausch in Denktraditionen und den Rhythmus gemeinsamer Musik.
  • Das 20. Jahrhundert: Ideologische Überformungen, Ausgrenzung und Gewalt führten dazu, dass diese jahrhundertelange Nachbarschaft verdrängt oder gewaltsam beendet wurde.
  • Das Erwachen der Mizrachim: Erst in den letzten Jahrzehnten rückte das Selbstbewusstsein der „Misrachim“ – Jüdinnen und Juden aus arabisch geprägten Räumen – diese Geschichte im heutigen Israel und weltweit wieder ins Licht.

Sieben Stimmen, sieben Identitäten

Das Herzstück der Schau bilden die Arbeiten von sieben Künstler*innen jüdischer Herkunft. Ihre familiären Wurzeln liegen in den verschiedenen Regionen Nordafrikas und Westasiens. In ihren Werken verweben sie das Private mit dem Politischen:

  1. Erinnerung als Widerstand: Wie bewahrt man die Geschichte einer Heimat, die man verlassen musste?
  2. Exil und Verlust: Die Arbeiten thematisieren die schmerzhaften Brüche in der Weitergabe von Familiengeschichten.
  3. Fluide Zugehörigkeit: Identität wird hier nicht als starr, sondern als bewegliche Erfahrung zwischen Sprachen und Kulturen begriffen.

In einer Zeit, in der Fronten oft verhärtet scheinen, öffnet das Jüdische Museum München einen Raum für die Vielstimmigkeit. Die Ausstellung zeigt eindrücklich, dass die Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern in den Biografien und Kunstwerken der Gegenwart kraftvoll nachwirkt. Ein Muss für alle, die verstehen wollen, wie komplex und farbenfroh jüdische Identität jenseits europäischer Narrative ist.

Mehr unter: www.juedisches-museum-muenchen.de

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