William Kentridge: Listen to the Echo im Museum Folkwang. Mitschnitt eines Ausstellungsgesprächs für Schüler:innen

Das Ausstellungsgespräch zur Sonderausstellung „William Kentridge. Listen to the Echo“ im Museum Folkwang bietet einen faszinierenden Einblick in das Werk des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Das Video ist speziell für Schüler:innen konzipiert und führt stationenweise durch die verschiedenen Räume der Ausstellung.

Zentrale Themen und Inhalte der Ausstellung

Die Ausstellung thematisiert komplexe historische und gesellschaftliche Zusammenhänge, insbesondere aus der Perspektive Südafrikas:

  • Listen to the Echo: Der Titel bezieht sich auf den „Widerhall“ von Zeitgeschichte, Kultur und Kunst. Kentridge begreift Geschichte nicht als einfache Kette von Ereignissen, sondern als eine Ebene, auf der Fundstücke aus verschiedenen Zeiten gleichzeitig existieren [01:23].
  • Apartheid und Gesellschaft: Kentridge reflektiert die Geschichte Südafrikas, insbesondere die Zeit der Apartheid (1948–1994) und die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten. Als Sohn von Anti-Apartheid-Anwälten wurde sein Blick schon früh auf gesellschaftliche Missstände gelenkt [08:47].
  • Arbeitswelt und Ausbeutung: Ein wiederkehrendes Motiv ist der Reichtum Johannesburgs durch den Goldabbau, der auf der harten Arbeit namenloser Minenarbeiter basiert. Dies wird unter anderem in seinen Nadelstreifenanzug-Motiven symbolisiert [10:56].
  • Kolonialismus: Die Ausstellung beleuchtet die koloniale Vergangenheit Afrikas, den „Wettlauf um Afrika“ und die wirtschaftliche Ausbeutung von Ressourcen wie Tee oder Gummi [23:36].

Künstlerische Techniken

Kentridge ist bekannt für seine multidisziplinäre Arbeitsweise:

  • Zeichnungen zur Projektion: Er nutzt Kohlezeichnungen für seine berühmten Stop-Motion-Filme. Dabei lässt er bewusst Radierspuren und Überlagerungen (Palimpseste) sichtbar, um das Verstreichen von Zeit und die Unzuverlässigkeit von Erinnerung darzustellen [13:09].
  • Tapisserien (Wandteppiche): Große Wandteppiche zeigen Trägerfiguren vor dem Hintergrund historischer Landkarten. Diese ehren die Millionen namenlosen Menschen, die als Träger in Kriegen und für koloniale Mächte ausgebeutet wurden [34:06].
  • Schattenspiele und Installationen: In Räumen wie „Sibyl“ oder „To Cross One More Sea“ nutzt er Filmprojektionen, Schattentanz und metallische Skulpturen, um Mythen (wie das Orakel von Cumae) oder das Schicksal von Flüchtlingen zu thematisieren [35:07], [39:00].

Wichtige Informationen für den Schulunterricht

  • Interdisziplinarität: Kentridge verbindet Bildende Kunst mit Literatur, Film, Theater und Musik.
  • Zentrum für die weniger gute Idee: Der Künstler gründete in Johannesburg ein Zentrum, das zum Experimentieren einlädt und „besten Ideen“ (die oft in Tyrannei mündeten) misstraut [16:34].
  • Selbstreflexion: In „Self-Portrait as a Coffee Pot“ (während der Corona-Zeit entstanden) setzt er sich humorvoll und ironisch mit sich selbst und seinem Schaffensprozess auseinander [41:29].

Das Video dient als hervorragende Vorbereitung oder Nachbereitung für einen Museumsbesuch und macht die tiefgründigen Botschaften von Kentridges Kunst für junge Menschen zugänglich.

Mehr unter: www.museum-folkwang.de

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