In der Geschichtsforschung und im Europäischen Hansemuseum stolpert man immer wieder über einen speziellen Begriff: den Hanserezess. Doch was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Wort, und warum ist es für unser Verständnis der Hanse so entscheidend?
Ein Hanserezess ist im Grunde das schriftliche Protokoll und Schlussdokument eines Hansetages. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort recessus ab, was so viel wie „Abschied“ bedeutet. Es handelt sich also um das Dokument, das am Ende der Verhandlungen, kurz vor dem Abschied der Gesandten, erstellt wurde.
Von Latein bis Hochdeutsch
Die Tradition, die Verhandlungen und Beschlüsse der Hansetage schriftlich zu fixieren, begann Mitte des 14. Jahrhunderts. Dabei spiegeln die Dokumente auch den sprachlichen Wandel der Zeit wider:
- Zunächst wurden die Texte auf Latein verfasst.
- Später nutzte man Mittelniederdeutsch, die Verkehrssprache der Hanse.
- Ab Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgten die Niederschriften schließlich auf Hochdeutsch.
Ein dezentrales Archiv
Interessanterweise gab es kein zentrales Archiv für diese wichtigen Dokumente. Stattdessen ließen sich die teilnehmenden Städte Abschriften der Beschlüsse anfertigen, um sie mit in ihre Heimatarchive zu nehmen. Das ist auch der Grund, warum Historiker heute in ganz Europa – von den Baltischen Staaten bis in die Niederlande – in unterschiedlichsten Archiven auf Exemplare dieser Rezesse stoßen.
Warum sind sie so wichtig?
Für die Forschung sind die Hanserezesse die wichtigste Quellengrundlage überhaupt. Ohne diese Protokolle wüssten wir heute kaum etwas darüber, wie sich die Hansestädte untereinander organisiert haben, welche Konflikte es gab und welche wirtschaftlichen Regeln vereinbart wurden.
Organisationen wie die Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO) arbeiten deshalb intensiv daran, diese wertvollen Quellen zu erschließen und sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
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