Eine Ausstellung, die mehr ist als Kunst: Im Haus der Kunst fragt Tomás Saraceno gemeinsam mit Communities der Red Atacama, wie wir Zukunft kollektiv denken können – jenseits extraktiver Beziehungen zu unserem Planeten.
Collaboration als Prinzip
Im Juli 2026 eröffnete im Haus der Kunst München „Tomás Saraceno in collaboration: Ancestral Futures” – eine Ausstellung, die bereits im Titel ihre Haltung offenbart. Es geht nicht um das Werk eines einzelnen Künstlers, sondern um Kollaboration: zwischen Tomás Saraceno, den Communities der Red Atacama in Argentinien, Kuratorin Sarah Johanna Theurer und Künstlerischem Direktor Andrea Lissoni. Gemeinsam stellen sie Fragen, die weit über den Ausstellungsraum hinausweisen: Wie können wir unsere Beziehungen zur Erde, zur Atmosphäre und zueinander neu denken?
Museo Aero Solar: Eine Skulptur, die wächst
Im Zentrum der Ausstellung steht das Museo Aero Solar – eine gemeinschaftlich geschaffene Skulptur aus wiederverwendeten Plastiktüten, die an jedem Ort ihrer Reise durch neue Beiträge von Communities wächst und sich verändert. Das Werk ist kein abgeschlossenes Objekt, sondern ein offener Prozess: ein kollektives Archiv, das Materialien, Geschichten und Menschen miteinander verbindet und dabei die Idee von Eigentümerschaft und Autorschaft grundlegend in Frage stellt.
Luft, Wasser, Gerechtigkeit: Das Wissen der Red Atacama
Weitere Arbeiten wie „Algo-r(h)i(y)thms” und „Towards the Sanctuary of Water” verbinden Fragen zu Luft, Wasser, Technologie und Umweltgerechtigkeit mit dem Wissen und den Stimmen der Communities der Red Atacama. Dieses indigene Wissen über Territorien, Ökosysteme und Formen des Zusammenlebens wird nicht als ethnografisches Material behandelt, sondern als gleichberechtigte Erkenntnisquelle – als Wissen, das für die Zukunft des Planeten genauso relevant ist wie wissenschaftliche Forschung oder technologische Innovation.
Kollektive Zukunft als künstlerische Praxis
Im Ausstellungsfilm, in dem Saraceno, Lissoni, Theurer und Mitglieder der Red Atacama zu Wort kommen, wird deutlich, worum es der Ausstellung im Kern geht: um die Frage, welche Formen des Zusammenlebens jenseits extraktiver Beziehungen zu unserem Planeten möglich sind – und wie Kunst dazu beitragen kann, diese Formen sichtbar, denkbar und erfahrbar zu machen. „Ancestral Futures” ist dabei kein nostalgischer Blick zurück, sondern ein Plädoyer dafür, das Wissen der Vergangenheit als Ressource für die Gestaltung der Zukunft zu begreifen.
Produced by Haus der Kunst, 2026
Curated by Sarah Johanna Theurer and Andrea Lissoni with support by Aditi Kapoor
Video Production: Daisy and Haus der Kunst
Images from “The Sanctuary of Water” by Álvaro Simón Padrós courtesy of Tomás Saraceno Studio
Music and sound design: Manuela Illera inspired by Inti-Illimani – Alturas
Editorial Staff: Marie-Louise Schlutius
Mehr unter: hausderkunst.de






