In diesem Video spricht die Textilkünstlerin und Forscherin Thessy Schoenholzer Nichols über ihre Arbeit und die Gestaltung ihrer kleinen Gärten in der Ausstellung „Stranger Than Paradise“ im open art museum. Das Interview wurde am 3. Februar 2026 im open art museum, St.Gallen aufgezeichnet.
Hortus Conclusus: Glitzernde Schutzräume im Kabinett
Im Kabinett des Museums entfaltet Thessy Schoenholzer Nichols eine Installation von zerbrechlicher Schönheit. Die Gruppe ihrer Miniaturgärten spielt mit Licht, Reflexion und Schatten:
- Die Symbolik: Der Hortus conclusus (der umfriedete Garten) ist ein klassisches Motiv der christlichen Ikonografie. Er steht traditionell für Reinheit und den Schutzraum der Jungfrau Maria.
- Die Inszenierung: In Schoenholzer Nichols’ Händen werden diese Gärten zu kinetischen Objekten. Sie drehen sich im Licht, funkeln und werfen übergroße Schatten an die Wände, die den Raum physisch und metaphorisch weiten.
- Die Künstlerin: Mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung als Kuratorin im Palazzo Pitti (Florenz) und Dozentin für Textilgeschichte bringt sie eine tiefe wissenschaftliche Durchdringung in ihre künstlerische Praxis ein.
Das Idyll und seine Irritationen
Die Ausstellung nutzt den Teppich als roten Faden, um die Originalwerke der Sammlung neu zu gruppieren. Dabei wird eine spannende Ambivalenz sichtbar:
- Verklärte Natur: Viele Werke zeigen Idealisierungen des bäuerlichen Lebens oder paradiesische Szenerien, wie man sie aus der naiven Kunst kennt.
- Der Bruch: In der Zusammenschau kippt die Harmonie. Das scheinbar Vertraute wirkt plötzlich absurd oder irritierend. Die „Risse im Idyll“ werden zum eigentlichen Thema.
- Die Collage: Statt einer einheitlichen Antwort auf die Frage nach dem Paradies bietet die Ausstellung eine bunte, teils widersprüchliche Collage – ganz im Geiste des namensgebenden Teppichs.
Idee | Regie: Tobias Stilz
Kamera | Schnitt: Noah Giezendanner
Mehr unter: openartmuseum.ch





