Poesie der Grenzen: Flaka Haliti bei Sculpture 21st im Lehmbruck Museum

Im Rahmen der Ausstellung im Lehmbruck Museum bot der Artist Talk mit Flaka Haliti die seltene Gelegenheit, die Künstlerin persönlich über ihre Arbeit an der Schnittstelle von Identität, Migration und politischer Handlungsfähigkeit sprechen zu hören.

Militärschrott, der zu lässigen Robotern wird, und Fenster, die über Offenheit philosophieren: Das Lehmbruck Museum präsentiert im Rahmen seiner Reihe „Sculpture 21st“ die Künstlerin Flaka Haliti. Im Artist Talk zur Eröffnung ihrer Ausstellung sprach die in Prishtina geborenen Künstlerin über ihre Arbeit und die von ihr verwendeten Materialien.

Vom NATO-Lager zum Müßiggang

Haliti ist bekannt dafür, geopolitische Spannungen in eine „entmilitarisierte Ästhetik“ zu überführen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist ihre Werkreihe „Its urgency got lost in reverse (…)“: Hierfür nutzt sie Überreste aufgegebener Militärlager der KFOR-Friedensmission aus ihrer Heimat Kosovo. Anstatt jedoch die Gewalt oder das Trauma zu betonen, verwandelt sie das Material in farbenfrohe, fast menschlich wirkende Roboter-Skulpturen, die dem Müßiggang frönen. Es ist ein Akt der künstlerischen Entwaffnung, der militärische Strukturen mit Humor hinterfragt.

Die Glashalle als Spiegel der Gesellschaft

Eigens für die Glashalle des Lehmbruck Museums realisierte Haliti die großformatige Arbeit „Every Window Thinks of Itself as Being an Opening“.

  • Der Titel: Inspiriert von der Lyrikerin Etel Adnan, spielt das Werk mit der Transparenz der Museumsarchitektur.
  • Die Botschaft: Wann ist eine Öffnung wirklich eine Öffnung und wann eine Grenze? Angesichts der aktuellen Aufrüstung in Europa thematisiert Haliti die Mechanismen von Inklusion und Ausgrenzung so aktuell wie nie zuvor.

Eine Stimme ihrer Generation

Seit ihrem Debüt auf der Biennale in Venedig 2015, wo sie den Kosovo vertrat, gilt Flaka Haliti als eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation. Ihre Installationen umfangen die Besuchenden mit allen Sinnen und nutzen alltägliche Materialien, um dem Paradoxen und Unmenschlichen unserer Zeit eine greifbare, oft verführerische Gestalt zu geben.

Mehr unter: lehmbruckmuseum.de

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