Orte Ost: Das Funkhaus Nalepastraße – Zwischen Propaganda, Jazz und dem Kampf um DT64

Es ist ein schlafender Riese an der Spree: Das Funkhaus in Berlin-Oberschöneweide war einst das akustische Herz der DDR. In der neuesten Folge der Filmreihe „Orte Ost“ nimmt uns der renommierte Historiker Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk mit hinter die Kulissen dieses monumentalen Komplexes. Es ist eine Reise von der staatlich verordneten Zensur bis zum leidenschaftlichen Kampf um die ostdeutsche Medienidentität nach 1989.

Ab Mitte Januar 2026 erscheint die neue Reihe des DDR Museum im Zweiwochenrhythmus auf YouTube. In der aktuellen Episode steht ein Ort im Fokus, der wie kaum ein anderer die Ambivalenz des DDR-Alltags verkörpert.

Ein Architekturjuwel mit „gläsernen Ohren“

Die Nalepastraße ist unter Musikern weltweit Legende. Wer die Konzertsäle heute betritt, spürt sofort die einzigartige Akustik, die bis heute Weltstars für Aufnahmen anlockt. Doch in der DDR war das Funkhaus weit mehr als ein Studio:

  • Machtzentrum: Über 2.000 Mitarbeiter produzierten hier das Programm für ein ganzes Land – gesteuert und kontrolliert durch die SED.
  • Das Spektrum: Zwischen den Mikrofonen entstand ein bizarres Nebeneinander aus plumper politischer Agitation und hochkarätigen Kulturbeiträgen, von anspruchsvollen Hörspielen bis hin zu Jazz und Klassik.
  • Kultfaktor DT64: In den 1980er-Jahren wurde der Jugendsender DT64 zum Sprachrohr einer Generation, die zwischen den Zeilen las und nach Freiräumen suchte.

1989: Das Ende des Sendeschlusses?

Besonders spannend wird es, wenn Ilko-Sascha Kowalczuk die Geschichte über das Mauerfall-Jahr hinaus verfolgt. Warum wurde ausgerechnet der reformierte und extrem beliebte Sender DT64 zu einem der größten Streitfälle der Deutschen Einheit? Die Folge stellt die unbequeme Frage, was die Abwicklung ostdeutscher Medienhäuser über die Versäumnisse des Zusammenwachsens erzählt. War die Transformation der Nalepastraße eine Chance für einen Neuanfang oder ein systematischer Abbau ostdeutscher Identität?

Über die Reihe „Orte Ost“

Mit Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk hat das DDR Museum einen Experten gewonnen, der historische Einordnung mit der Faszination von „Lost Places“ verbindet. Die Filmreihe ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern eine lebendige Spurensuche an Orten, deren Echo bis in unsere heutige Zeit nachhallt.

Mehr unter: ddr-museum.de

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