Marcel Odenbach: Shifting the Silence – Die Stille der Geschichte verschieben

Das Lenbachhaus in München präsentiert mit „Shifting the Silence“ eine tiefgründige Werkschau von Marcel Odenbach. Der Künstler, ein Meister der Collage, lädt uns ein, die Oberfläche der Bilder zu durchbrechen und die verborgenen Schichten der bundesrepublikanischen Geschichte zu entdecken.

Marcel Odenbachs Arbeiten fordern den Blick des Betrachters heraus. Aus der Ferne wirkt ein Motiv oft plakativ und stark, doch je näher man tritt, desto mehr offenbart sich die zweite, inhaltliche Ebene. Es ist ein Spiel zwischen Fern- und Nahsicht, das die Komplexität der Themen verstärkt.

Die Collage als Archiv und Therapie

Für Odenbach ist die Collage das ideale Medium, um Text, Sprache, eigene Symbolik und vorgefundenes Material miteinander zu verknüpfen. Sein Arbeitsprozess gleicht dem eines Archivars:

  • Sammeln und Assoziieren: Er beginnt mit einer Idee und sammelt dazu Assoziationen wie in einem Karteikasten.
  • Therapeutisches Schneiden: Den langwierigen Prozess des Schneidens und Klebens bezeichnet er fast als „Beschäftigungstherapie“.
  • Nachhaltigkeit im Detail: Um ein visuelles Gleichgewicht zu schaffen, kopiert er Originalfotos auf Schwarz-Weiß-Papier und färbt diese mit Tinte ein. Die Reste werden gelagert und wiederverwendet, bis kaum noch Papier übrig bleibt.

Architektur als politisches Symbol

Als studierter Architekt nutzt Odenbach Räume und Gebäude oft als Ikonen für politischen Ausdruck. In der Ausstellung stehen zwei Motive aus seiner Heimatregion Bonn im Fokus:

  1. Der Atombunker: Ein Symbol des Kalten Krieges, das lange Zeit geheim war.
  2. Der Kanzlerbungalow: Für Odenbach ein Ausdruck der damaligen demokratischen Idee – bescheiden und wenig repräsentativ, ganz im Gegensatz zu heutigen Machtarchitekturen.

Das Persönliche ist Politisch

Odenbachs Motivation ist zutiefst autobiographisch. Geboren 1953, verarbeitet er die Geschichte der Bundesrepublik und seine eigene Familiengeschichte. Er sieht in der Kunst die Chance, das zu leisten, was die Politik oft versäumt hat: eine subjektive und ehrliche Aufarbeitung von Fakten und Erfahrungen. In seinen Collagen wird Geschichte nicht als starre Kritik, sondern als lebendiger, subjektiver Prozess erfahrbar.

Mehr unter: lenbachhaus.de

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