Lucila Pacheco Dehne: „a fence is a fence is a fence – to break“ im Kunstverein Wolfenbüttel

Der Kunstverein Wolfenbüttel startet am 30. Januar 2026 mit einer tiefgründigen und partizipativen Position in das neue Ausstellungsjahr. Die Künstlerin Lucila Pacheco Dehne präsentiert unter dem Titel „a fence is a fence is a fence – to break“ den Auftakt des Jahresthemas „Saat“.

Die Ausstellung versteht künstlerische Prozesse als Formen des Wachsens und der gemeinschaftlichen Verantwortung und stellt dabei unbequeme Fragen an unsere botanische und politische Umwelt.

Botanische Zeuginnen kolonialer Macht

Pacheco Dehne nutzt Pflanzen und Samen als Ausgangspunkt, um die Spuren kolonialer Gewalt in unseren Landschaften sichtbar zu machen. Pflanzen, die einst in Schuhsohlen verfangen oder in Taschen verborgen über Ozeane nach Europa kamen, sind für die Künstlerin weit mehr als nur Natur:

  • Stille Zeuginnen: Sie erzählen von globalen Machtverhältnissen, Handel und erzwungener Migration.
  • Widerstand: Gleichzeitig symbolisieren sie das Überleben unter widrigen Umständen.
  • Bürgerbeteiligung: In Wolfenbüttel wird die Stadtgemeinschaft eingeladen, selbst botanische Erzeugnisse beizutragen, die zu einem ästhetischen Archiv politischer Geschichte verschmelzen.

Der Zaun: Vom Hindernis zum Ort der Verhandlung

Das Motiv des Zauns steht im Zentrum der Schau. Pacheco Dehne bricht die gewohnte Sichtweise auf dieses Kontrollinstrument auf:

  • Ambivalenz: Der Zaun ist zwar eine Trennung, aber auch eine Struktur, durch die Dinge hindurchwachsen können.
  • Transformation: Er wird zum Ort, an dem Zugehörigkeit und Teilhabe neu verhandelt werden.
  • Dekolonialität: Die Künstlerin verwebt diese Gedanken mit den spezifischen historischen Spuren des Ortes.

Saat als politische Praxis und Gemeinschaft

Das Jahresthema „Saat“ wird hier als Weitergabe von Wissen und Fürsorge interpretiert. Es geht um Prozesse, die Zeit brauchen und sich nicht vollständig kontrollieren lassen. Ein zentrales Element der Ausstellung ist der offene Tisch. Er dient als:

  1. Sozialer Raum: Ort der Gastgeberschaft und des Austauschs.
  2. Kollektive Praxis: Ein Raum, in dem Besuchende nicht nur betrachten, sondern gemeinsam verhandeln.
  3. Community Building: Kunst wird hier als Impuls für ein solidarisches Miteinander verstanden.

Über die Künstlerin

Lucila Pacheco Dehne (*1994 in Berlin) arbeitet an der Schnittstelle von Bildhauerei, Ökologie und Erinnerungskultur. Sie studierte an der HBK Braunschweig und am Sandberg Instituut Amsterdam. Ihr Werk, für das sie unter anderem den Paula-Modersohn-Becker Nachwuchspreis erhielt, zeichnet sich durch eine starke Verbindung von Materialforschung und sozialen Utopien aus.

Eröffnung: 30. Januar 2026
Ort: Kunstverein Wolfenbüttel
Themenschwerpunkt: Migration, dekoloniale Ökologie

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Museum Angewandte Kunst | Grafik: Bureau Sandra Doeller

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