Stahl, Beton und soziale Netze: Nordrhein-Westfalen ist mehr als ein Bundesland – es ist ein Geflecht aus Biografien, Industriegeschichte und urbanen Umbrüchen. Ab dem 13. März 2026 präsentiert die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln mit der Ausstellung „Lebensräume“ eine Bestandsaufnahme unserer Gegenwart.
Die Schau vereint 14 künstlerische Positionen aus drei Jahrzehnten (1990er-Jahre bis 2024). In Schwarz-Weiß-Aufnahmen, großformatigen Farbserien und filmischen Arbeiten werfen Künstlerinnen und Künstler mehrerer Generationen einen unbestechlichen Blick auf das, was uns umgibt: den Raum, in dem wir leben, arbeiten und uns begegnen.
Köln im Fokus: Architektur und Alltag
Drei Fotografen setzen sich intensiv mit dem urbanen Gesicht Kölns auseinander:
- Boris Becker: Erhebt technische Konstruktionen und Alltagsbauten durch monumentale Farbaufnahmen zu Objekten von hoher ästhetischer Qualität.
- Frank Dömer: Sucht die Schönheit im Aufeinandertreffen von städtischer Ordnung und gewachsenem Chaos.
- Gerhard Winkler: Verleiht Alltagssituationen durch Handkolorierung eine fast traumhafte, transformative Note.
- Almourad Aldeeb: Taucht filmisch in das Marktgeschehen am Kölner Wilhelmplatz ein und macht den Puls der Stadt spürbar.
Industrie und Wunde: Das Erbe der Kohle
Für NRW bleibt die Industrie prägend – auch in ihrem Verschwinden oder ihrer Zerstörungskraft. Claudia Fährenkemper und Gregor Schneider dokumentieren den Braunkohletagebau. Während Fährenkemper die gigantischen Schaufelradbagger fast wie archaische Skulpturen in der Landschaft festhält, visualisiert Schneider die radikalen räumlichen Umwälzungen und die daraus resultierenden neuen, oft surrealen Landschaftsformen.
Das Porträt als Zeitgeschichte
Besonders eindringlich zeigt die Ausstellung, wie eng Identität mit dem privaten Raum verknüpft ist:
- Emine Ercihan: Porträtiert die erste Generation der sogenannten Gastarbeiter in ihren Wohnzimmern – ein stilles, aber kraftvolles Zeugnis bundesdeutscher Wirtschaftsgeschichte.
- Katharina Kemme: Fängt das soziale Gefüge eines Essener Wohnblocks über die Innenräume der Nachbarschaft ein.
- Melina Lehmacher: Begleitet junge Frauen an der Schwelle zum Berufsleben in ihrem persönlichen Umfeld.
Warum regional global ist
Obwohl die Orte in NRW verwurzelt sind, verweisen die Arbeiten auf universelle Themen: Migration, Strukturwandel und die Suche nach individueller Identität in einer massenmedialen Welt. Die Ausstellung macht deutlich, dass „Heimat“ kein statischer Begriff ist, sondern sich aus den Bedürfnissen der Menschen und den Hinterlassenschaften der Vergangenheit täglich neu formiert.
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