Kunsthalle Bremen restituiert fünf Zeichnungen an Erben von Siegfried Lämmle und erwirbt sie für die Sammlung

Die Kunsthalle Bremen hat fünf Zeichnungen aus dem Besitz des jüdischen Münchner Kunsthändlers Siegfried Lämmle an dessen Erben restituiert – und die Werke anschließend für die eigene Sammlung zurückerworben.

Fünf Zeichnungen, eine Geschichte von Verfolgung und Verlust

Es sind Werke des 17. bis 19. Jahrhunderts: Figurenstudien von Theodor Mintrop und Johann Zimmermann, ein Entwurf für ein barockes Deckengemälde von Johann Georg Bergmüller, eine niederländische Genreszene von Joos van Craesbeeck und ein kleines Blatt mit einem Flötenspieler, das ehemals Antoine Watteau zugeschrieben war. Fünf sehr unterschiedliche Zeichnungen – verbunden durch ihre gemeinsame Herkunft aus der Sammlung des Münchner Kunsthändlers Siegfried Lämmle. Im Frühjahr 2026 wurden sie von der Kunsthalle Bremen an die Erben des rechtmäßigen Eigentümers restituiert.

Berufsverbot, Zwangsauflösung, Flucht

Siegfried Lämmle, geboren 1863 in Laupheim, war Inhaber einer angesehenen Münchner Kunst- und Antiquitätenhandlung, die er 1894 gegründet hatte. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus begann die systematische Zerstörung seiner Existenz: 1935 erhielt er Berufsverbot, 1937 wurde er unter dem Druck der Reichskammer für Bildende Künste zur Geschäftsauflösung gezwungen. Ein Ausverkauf seines Warenlagers folgte. Am 30. September 1938 flüchtete Lämmle mit seiner Familie über Frankfurt am Main in die Vereinigten Staaten, wo er 1953 in Los Angeles starb. Kurz nach seiner Flucht wurde das verbliebene Inventar seines Geschäfts beschlagnahmt und versteigert.

Wie die Zeichnungen nach Bremen gelangten

Die fünf Zeichnungen erwarb die Kunsthalle Bremen zwischen 1936 und 1938 vom Bremer Kunsthändler Arnold Blome – der sie nachweislich im Herbst 1936 bei der bereits unter Druck stehenden Kunsthandlung Lämmle in München angekauft hatte. Lämmle hatte seine Kunden im September 1936 über die bevorstehende Geschäftsauflösung informiert und starke Preisreduktionen angekündigt – ein erzwungener Notverkauf unter den Bedingungen nationalsozialistischer Verfolgung.

Provenienzforschung als Schlüssel zur Gerechtigkeit

Aufgedeckt wurden die NS-Provenienzen im Rahmen eines von 2022 bis 2025 laufenden Forschungsprojekts der Kunsthalle Bremen zu französischen Handzeichnungen, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Ergänzend leistete seit 2024 ein gezieltes Forschungsprojekt des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München wichtige Unterstützung bei der Identifizierung der rechtmäßigen Eigentümer. Die Restitution konnte im Frühjahr 2026 einvernehmlich abgeschlossen werden – im Sinne der Washingtoner Prinzipien und in enger Abstimmung mit der Erbengemeinschaft, vertreten durch Nina McGehee.

Rückerwerb historisch bedeutender Werke

Der Kunstverein in Bremen entschied sich, die fünf Werke nach der Restitution von den Erben zurückzuerwerben – ermöglicht durch Mittel aus dem Nachlass von Fritz Müller-Arnecke. Die Geschichte jüdischer Kunsthändlerinnen und Kunsthändler soll innerhalb der Sammlung sichtbar bleiben und künftig weiter erzählt werden können. Die Zeichnungen kehren in die Kunsthalle zurück – diesmal mit ihrer vollständigen Geschichte.

Mehr unter: www.kunsthalle-bremen.de/de

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