Kinder, Kinder! Eine Reise durch 600 Jahre Kindheit im Bucerius Kunst Forum

Wie hat sich unser Blick auf das Kindsein über die Jahrhunderte gewandelt? Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg widmet sich dieser spannenden Frage in der neuen Ausstellung „KINDER, KINDER! Zwischen Repräsentation und Wirklichkeit“. Mit einer Zeitspanne vom 15. Jahrhundert bis heute beleuchtet die Schau das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Erwartungsdruck und dem Wunsch nach Freiheit.

Das Thema Kindheit ist in der Kunstgeschichte so vielfältig wie kaum ein anderes. In einem aktuellen Ausstellungsvideo gibt das Museum Einblicke in eine Schau, die über 600 Jahre umfasst – vom ältesten Werk aus dem Jahr 1530 bis hin zu zeitgenössischen Fotografien aus dem Jahr 2022.

Kleine Erwachsene: Repräsentation im 17. Jahrhundert

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Darstellung von Kindern in der Oberschicht des 17. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist hier vor allem die Pose: Schon Drei- oder Vierjährige wurden wie Erwachsene inszeniert. Mit selbstbewusster Haltung und prachtvoller Kleidung dienten sie primär der Repräsentation ihrer Familien. Hinter den geröteten Wangen, die damals als Zeichen besonderer Gesundheit und Kraft galten, verbarg sich oft ein enormer Druck, der auf den „kleinen Erwachsenen“ lastete – sei es in Adelsfamilien oder im wohlhabenden Bürgertum.

Der intime Blick der Künstlereltern

Einen starken Kontrast dazu bilden die Porträts, die Künstlerinnen und Künstler von ihren eigenen Kindern schufen. Hier weicht die Repräsentation einem intimen, oft fokussierten Blick. Diese Werke verzichten auf das „Putzige“ oder Repräsentative. Durch engere Bildausschnitte und kleinere Formate wird eine Unmittelbarkeit geschaffen, die sich durch die Jahrhunderte zieht und eine zeitlose Verbindung zwischen den Generationen herstellt.

Die Entdeckung des Kindseins

Ein Wendepunkt in der Darstellung markiert das frühe 18. Jahrhundert, beeinflusst durch reformpädagogische Schriften von Denkern wie John Locke und Jean-Jacques Rousseau. Plötzlich durften Kinder „Kind sein“. In den Gemälden von Künstlern wie Reynolds oder Lawrence verlassen die Kinder die steifen Innenräume und treten hinaus in die Natur. Sie tollen mit Hunden umher und dürfen sich trotz feiner Kleidung schmutzig machen. Es ist der Moment, in dem der Kindheit eine eigene, schützenswerte Entwicklungsphase abseits der Erwachsenenwelt zugestanden wird.

Fazit: Ein Spiegel der eigenen Geschichte

Die Ausstellung „KINDER, KINDER!“ ist mehr als eine kunsthistorische Bestandsaufnahme. Sie lädt die Besucherinnen und Besucher – egal ob groß oder klein – dazu ein, über die eigene Kindheit nachzudenken und Momente der persönlichen Geschichte in den Werken wiederzufinden.

Mehr unter: www.buceriuskunstforum.de

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