Jüdisches Museum Berlin auf TikTok

Zwischen Tanz-Challenges und Lip-Sync-Videos findet man jetzt auch verlässliche jüdische Perspektiven: Seit November 2025 mischt das Jüdische Museum Berlin (JMB) auf TikTok mit. Das Ziel? Die 18- bis 24-Jährigen dort abholen, wo sie sich ohnehin informieren – und dem wachsenden Antisemitismus im Netz mit Fakten, Charme und echtem Leben begegnen.

Screenshot | https://www.tiktok.com/@juedischesmuseumberlin

Dabei geht es um weit mehr als Geschichtsunterricht im Hochformat. Das JMB zeigt jüdische Kultur in Deutschland als das, was sie ist: ein lebendiger, integraler und verdammt vielfältiger Teil unserer Gesellschaft.

Mehr als nur Geschichte: Jüdischer Alltag im 60-Sekunden-Takt

Der Kanal bricht mit der Erwartungshaltung, jüdisches Leben ausschließlich durch die Linse der Verfolgung zu betrachten. Stattdessen setzt das Team auf eine bunte Mischung aus Archiv-Schätzen und Alltagsfragen:

  • Die Sammlung spricht: Persönliche Briefe, Fotos und Familiengeschichten aus dem JMB-Archiv werden zu digitalen Biografien.
  • Jewish 101: Erklärstücke zu Feiertagen und Traditionen – verständlich, ohne oberlehrerhaft zu wirken.
  • Behind the Scenes: Was passiert eigentlich im Depot eines Museums? Exklusive Einblicke hinter die Kulissen.

Zwischen Algorithmus und Hate Speech

Dass TikTok kein einfaches Pflaster für jüdische Stimmen ist, verschweigt das Museum nicht. Host Rosa Jellinek und Expertinnen wie die Grimme-Preisträgerin Susanne Siegert (@keine.erinnerungskultur) thematisieren offen die Herausforderungen:

  1. Gegenrede: Fundiertes Entgegentreten gegen Verschwörungsmythen und KI-generierte Falschinformationen.
  2. Sichtbarkeit: Trotz schwieriger Algorithmen präsent bleiben, um kein Vakuum für Extremisten zu lassen.
  3. Dialog: Aktive Interaktion mit der Community durch Reaktionen auf Kommentare und Diskussionsimpulse.

„Gerade das Thema Holocaust-Gedenken ist auf TikTok auch geprägt von Falschinformation, KI-Darstellungen und antisemitischen Verschwörungsmythen – umso wichtiger, dass offizielle Institutionen dort präsent sind und mit ihrer Expertise ein Gegenangebot schaffen, dem Nutzer*innen vertrauen können““ — Susanne Siegert, @keine.erinnerungskultur

Mehr unter: www.jmberlin.de

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